Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
Seite
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oder in der Inschrift des Weinfasses, das einem Säufer zum Sarge gegeben wurde:

Der, dessen Bauch ich oft gefüllt,

Der ist's, der nun den meinen füllt.

In der Vorrede zu seinen sämtlichen Gedichten (f78H prägt er den Satz: Der sitt­sam erotische Dichter beredet das junge, empfindsame Herz, macht es edler Gesinnungen empfänglich und ist nicht selten ein glücklicher Vorarbeiter, der den weisen Moralisten die Baustelle geräumt hat. In einem Gedicht auf den Hubertusburger Frieden findet er­folgende, für ihn charakteristischen Worte:

Ich indessen bey Lyäen, will dem lieben Gott der Ehen Majoran und Myrten streuen,

Und ihm Most und Früchte weih»;

Bis er alle tausend Knaben,

Die der ehrne Mars begraben.

Mit vermehrter Segenskrast Unfern Weibern wiederschafft.

In ähnlicher Form und Art und Weise, in antikisierender, manchmal deutlich an Horaz geschulter Ginkleidung singt er in einem HymnusAn die Liebe":

Eile dahin, ein zärtliches paar mit Deiner himmlischen Zone zu bindenI Kröne die lange Treue des Jünglings,

Kröne die weise Liebe des MädchensI

Deines Nektars eine gefüllte

Schale gieb ihnen und, wenn es geschehen kann,

Mische kein Tröpfchen Kummers darein!

Dann eile zum goldenen Dlympus,

Dann sage mit deinem holdseligen Lächeln,

' Dann sage den neidischen Töchtern des Himmels:

Ich habe zwey Liebende glücklich gemacht.

Mit liebevollem Eingehen auf die Details beschreibt er im Sommer s769 die Hügel bei Rathenau:

Dort winken durchwässerte Gründe, von silbernen Pappeln umzäumt,

Da laßt die brüllenden heerden ans Schilf und Binsen hervorgehen; vergißmeinicht blüht da, da rieseln die schäumenden Bäche durch Veilchen,

Und Lilgen und Klee ...

Hier reihe ich noch etliche gebürtige Märker an, deren Leben aber sich zum größten Geile außerhalb ihrer Heimatprovinz abspielte und denen nur ganz selten und vereinzelt der Zusammenhang mit dem Lande ihrer Geburt zum Bewußtsein kam. Dahin gehört z. B. Joachim Meier (f66jj732) aus perleberg in der Mark; er verbrachte den größten Teil seines Lebens in Göttingen als Geschichtslehrer am Gymnasium (einer Zwischenstufe zwischen Schule und Akademie) und seit l7s7 in advokatorischer Tätigkeit. Eine seiner letzten Schriften: Unvorgreifliche Gedanken von der theatralischen Airchen-