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einen Gang durch den Tiergarten sowie eine kurze Besichtigung des Arsenals unternahm er wohl in Begleitung seines herzoglichen Freundes. Die Reihe der Besuche setzte Goethe bei dem absonderlichen und als Mensch reichlich bizarren Gottlob Wilhelm Burmann fort sowie auch bei Moses Mendelssohn; am (8. Mai war er bei der Karschin, die in ihrer fürchterlichen Reimwut natürlich sich auch dieses wichtige Ereignis nicht entgehen ließ und an Gleim darüber in ausführlichster Weise berichtete. Uber Tegel und Tharlottenburg erfolgte dann die Rückkehr nach Potsdam und daraus bald die Heimreise nach Weimar; Goethe war wenig befriedigt und hatte wohl auf eine ehrenvollere Aufnahme im allgemeinen in Berlin gehofft; sein inneres Verhältnis zu Berlin und den Berlinern blieb lange Zeit ein gespanntes; erst der briefliche Verkehr mit Zelter hat ihn dann über manche Kanten und Ecken der märkisch-berlinischen Art milder denken gelehrt.
hatte Goethe so mit mancherlei Widerständen und Widerwärtigkeiten während des Berliner Aufenthaltes und später in Erinnerung daran zu kämpfen und mochte auch der Eindruck der preußischen Residenzstadt kein allzu großer sein, so gab sich im Gegensatz dazu Schiller 25 Jahre später ganz der Großstadt und ihren Anregungen hin.
Lähmende Krankheit ließ Schiller nun mit mannigfachen Sorgen an die Zukunft der Seinen denken; in solcher innerlich — und vielleicht auch äußerlich — gedrückten und bedrängten Stimmungen trafen ihn von Berlin aus Anträge — wenn sie auch nicht in bestimmte Formen gefaßt waren —, die seine Berufung dorthin und damit eine Verbesserung seiner Lage zum Zwecke hatten. Vermutlich ist der Gedanke durch hufeland und Fichte angeregt worden, und eine Äußerung Zelters scheint dies bestätigen zu können?) Wesentlich gefördert und vermittelt hat ihn jedenfalls Zffland, dessen in Angelegenheiten des Teil nach Weimar entsandter Theatersekretär Pauli dem Dichter die ersten Mitteilungen über solche Absichten machte; Iffland schrieb an den Geheimen Kabinettsrat Beyme am (6. Mai l 804. denn auch: Herr von Schiller habe gegen den Herrn Sekretär Pauli geäußert, „daß er gern in Berlin zu bleiben wünsche?) Mindestens einige Zahre. Mb es nicht zu bewürken sein mögte, daß er als Academicien mit einem Gehalt angestellt ... für das National-Theater arbeiten könne? ... falls Herr von
>) Er schrieb an Goethe am 8. Juni ;805: Der unvermuthete Tod unsers lieben Schiller hat bey uns in Berlin eine allgemeine und starke Sensation erregt. Ifflands Betragen (obwohl man demselben keine deutlichen Zwecke noch unterlegen kann) ist ehrwürdig. Er scheint auf etwas zu sinnen oder auf einen ersonnenen Zweck mit eigentlicher Lebhaftigkeit hinzuarbeiten.
2) Vgl. über das Thema Schiller in Berlin — um aus der Menge der Literatur nur weniges zu nennen — den Aufsatz von I. Rodenberg in „Deutsche Rundschau" tyos, Bd. t 2 S, S. 272/gL; dazu noch Beiträge zu Schillers Aufenthalte in Berlin, in Der Bär, 8. Juli ;88i, S. 523/25. — Aus dem Briefwechsel Schillers mit Körner ist hier noch folgender Satz zu zitieren: „Um meinen Rindern einiges vermögen zu erwerben, muß ich dahin streben, daß der Ertrag meiner Schriftstellerei kann zum Kapitale geschlagen werden, und dazu bietet man mir in Berlin die Hände; ich habe nichts da gesucht, man hat die ersten Schritte gegen mich getan." — Lin Besuch Schillers in Berlin war schon im August tso; geplant gewesen, und am 6. November t ?82 hatte er bereits an seine Schwester geschrieben:
„Sobald ich in Berlin bin, kann ich in der ersten Woche auf festes Einkommen rechnen, weil ich vollgültige Empfehlung an Nicolai habe, der dort gleichsam der Souverain der Literatur ist, aber Leute von Kopf sorgfältig anzieht, mich schon im voraus schätzt und einen ungeheueren Einfluß hat beinahe im ganzen teutschen Reich der Gelehrsamkeit."