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Müller aus Wien nicht kommen sollte, würde er für das Studium der Geschichte dem Aronprinz dienen können . . Am 26. April dieses Jahres brach Schiller in Begleitung seiner Frau und seiner beiden Söhne, des elfjährigen Aarl und des achtjährigen Ernst, von Weimar auf und reiste, mit Aufenthalt in Weißenfels, Wittenberg und Potsdam, über Leipzig nach der preußischen Hauptstadt: in der Liste der „angekommenen Fremden vom 2. Mai" steht in der „Vossischen Zeitung" von Donnerstag, den 3. Mai j80H „Herr v. Schiller, Hofrath a. Weimar v. Leipzig, Hotel de Russie". Dieses Hotel stand an der Stelle der heutigen Passage Unter den Linden (ursprünglich hatte es „Zur Sonne" geheißen und hieß zuletzt „Mäders Salon") . . . hier war am Wittag des 1,. Mai Schiller mit den Seinen eingekehrt. „Ganz zerschlagen von der Reise," schrieb er sofort an Iffland: „Da bin ich nun, teurer Freund, voll herzlichen Verlangens, Sie und die Freunde zu begrüßen; ich bedarf eines neuen, eines größeren Elements, ich freue mich darauf, zu sehen und zu hören, und meinen Sehkreis zu erweitern." Iffland antwortete in den zeitigen Morgenstunden des folgenden Tages: „Eben kriege ich Ihren Brief und verzweifle, denn eben muß ich nach Potsdam. Morgen früh Acht Uhr bin ich bei Ihnen. — Gefiele Ihnen mein Landhaus? Wollen Sie Ruhe; so wohnen Sie da! Ich zittre, daß ich fort muß. Denn die Sehnsucht nach Ihnen ist herzlich! Morgen Acht Uhr bin ich bei Ihnen." Etliche Wochen früher schon hatte Schiller an Wilhelm v. Wolzogen geschrieben: „es gefällt mir in Weimar mit jedem Tage schlechter und ich bin nicht Willens, in Weimar zu sterben;" doch war das eigentlich für Schiller ausschlaggebende und bestimmende Motiv die Aufbesserung seiner Vermögensverhältnisse, wie ja der Gang der Verhandlungen deutlich auch beweist. Berlin mit seinen zu Beginn des l9- Jahrhunderts kaum mehr wie 200000 Einwohnern war die erste wirklich große Stadt, die Schiller sah . . . damals wurden dort anstatt der kleinen dreieckigen Laternen auf hölzernen pfählen größere Laternen auf eisernen Stangen angebracht, wurden die Straßen zum ersten Male ordentlich gepflastert, ihre Namen an die Ecken angeschlagen, die Häuser mit Nummern versehen, damals begannen die Boten eines Privatunternehmers mit Aasten und Alingeln die Runde zu machen, um die Stadtbriefe zu besorgen! Dennoch schien für Schiller diese Stadt so groß zu sein, daß er meinte, dort nicht ohne Equipage leben zu können, „weil jeder Besuch oder Ausgang eine kleine Reise ist". Als Musenstadt allerdings stand Berlin gar weit hinter Weimar zurück, wie zu der Zeit, da Schiller in einem Epigramm die Spree von sich sagen läßt:
Sprache gab mir einst Ramler und Stoff mein Läsar; da nahm ich
Meinen Mund etwas voll, aber ich schweige seitdem.
Auch ihm erschienen die Berliner als „ein verwegener Menschenschlag" ... wo Schiller sich zeigte, wurden ihm Huldigungen dargebracht, die im Theater den Höhepunkt erreichten: dort wurden während der fast sH Tage seiner Anwesenheit „Die Räuber", „Die Braut von Messina" (zweimal), „Die Jungfrau von Orleans" (zweimal), „Wallensteins Tod" gegeben; als Schiller am 4. Mai zum ersten Male das Theater betrat, ward er „mit allgemeinem Beifall von der Versammlung begrüßt, freudiger Zuruf empfing ihn und wiederholte sich so lange und so laut, bis die Musik begann, welche der Vorstellung vorangeht. So ehrenvoll hat das Publikum seine rege Empfindung für das