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Genie ausgesprochen, dem es der höheren Freuden so manche verdankt. Schillers Ankunft hat überhaupt ein lebhaftes allgemeines Interesse erregt, welches auf Achtung und Dankbarkeit begründet ist".
Am sZ. Mai wurden Schiller und Gemahlin von der Königin Luise empfangen; es war Schillers drittes Begegnen mit der von ihrem Volke angebeteten Frau, von der Madame Stael, die ihr bei der großen Tour zum Geburtstagsfeste der Königin vorgestellt worden war, an ihre Tousine, Madame Necker de Saussure, geschrieben hatte: Es ist keine Schmeichelei, zu sagen, daß sie die hübscheste Frau ist, die ich jemals gesehen habe ... ihr Schmuck ist glänzend und vom besten Geschmack —- vntin, sie hat mich wahrhaft geblendet.
Die Königin war noch ein Kind gewesen, als Schiller ihr zum ersten Male begegnete. Als der jugendliche Dichter um die Weihnachtszeit 1784 vor dem Herzog von Weimar in einer Abendgesellschaft beim Erbprinzen von Hessen-Darmstadt, dem Schwager- Karl Augusts, den ersten Akt des „Don Tarlos" vorlas, weilte auch sie mit ihren Eltern zu Besuch am Darmstädter Hofe, und wenn auch nicht anzunehmen ist, daß unter der fürstlichen Zuhörerschaft sich die achtjährige Prinzessin Luise von Mecklenburg-Strelitz befunden habe, so war es doch ihre Erzieherin, ein Fräulein von Wolzogen, welche diese Vorlesung vermittelt hatte. Bei der zweiten Begegnung im Juli >799, war sie Preußens Königin ... in Weimar ward er ihr vorgcstellt ... sie sah dort den Wallenstein,- jetzt, im königlichen Schlosse zu Berlin, stand Schiller auf der Höhe seiner Laufbahn; in Freud und Leid waren ihr seine Verse allzeit im Gedächtnis und zur Hand: im schwersten Augenblicke ihres Lebens, aller Unbill des verhaßten Napoleon in Memel ausgesetzt, ist Schiller ihr nahe, sie faßt brieflich ihrem Gemahl gegenüber die Empfindungen und Gedanken dieser Stunde in die Worte der Stuart, „en vovant Klisutzstlr ä'^vAlsterrs", zusammen: In dieser Brust wohnt kein Herz?)
Prinz Louis Ferdinand von Preußen gab Schiller zu Ehren ein Festmahl; Karoline von Wolzogen hob von allen Bekanntschaften, die der Dichter in Berlin machte, die des „hochgesinnten, genialen Prinzen" als ihm besonders „merkwürdig" hervor. Auch Iffland hatte Schiller zu Gaste in seinem „Landhause" in der Tiergartenstraße: von den Theateraufführungen, denen Schiller in der Loge Ifflands beiwohnte, scheint ec nicht so recht befriedigt gewesen zu sein, was wohl aus den grundsätzlichen Unterschieden zwischen der Weimarer und Berliner Spielweise zu erklären ist.. „Sie erdrücken mir ja mein Stück durch diesen Einzug," ist eine verbürgte Äußerung Schillers zu Issland gelegentlich der Ausführung der „Jungfrau von Orleans"; und an Körner schrieb er die nicht nur für damals charakteristischen Worte, daß Theater und Musik in Berlin das nicht leisten, was sie kosten. Im allgemeinen aber hielt sich Schiller in seinen Urteilen sehr reserviert, und die „schlauen Hauptstädter" wandten sich, wie Henriette Herz erzählt, an seine Gemahlin, um sein Urteil zu erfahren; „zu meinem Erstaunen stellte sich Schiller als ein sehr kluger Mann dar, der namentlich höchst vorsichtig in seinen Äußerungen über Personen war." Bei seinem alten Jenenser Freunde Thristoph Wilhelm Hufeland fand Schiller eine „liebevolle Aufnahme"; Zelter bemühte sich darum, daß Schiller Mitglied
N) vgl. dazu p>. Bailleu, Oie Verhandlungen in Tilsit >80? in „Deutsche Rundschau", lyo?; öd. NO, S- 20Z: Die Königin meint die Worte: Aus diesen Zügen spricht kein Herz.