Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
Seite
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der Berliner Akademie werden sollte und hat noch am 18. August 1804 an Goethe ge­schrieben:Man sagt jetzt ganz laut, daß Schiller in preußische Dienste getreten sei"; jedoch stockten damals schon die Verhandlungen, und Aarl Augusts großherziges Ein­treten, das des Dichters Gehalt erhöhte und ihm zugleich erlaubte, einen Teil des Jahres in Berlin zu leben, hatte Schillers Entschluß bestimmt, in Weimar vors erste seßhaft zu bleiben:Von Berlin habe ich noch nichts weiter vernommen," heißt es im Oktober des gleichen Jahres an Körner,vermutlich will man die Sache fallen lassen, weil ich auf einen fixen Aufenthalt in Weimar und der Fortdauer meiner hiesigen Verhältnisse be­standen habe." Die endgültige Entscheidung über Schillers Berufung wurde im König­lichen Kabinette vertagt und verzögert; ganz klar sind die Vorgänge, die hier vielleicht hinter den Kulissen gespielt haben mögen, nicht, doch scheint so viel feststehen zu können, daß der Geheime Kabinettsrat und spätere Iustizminister Beyme für das endgültige Scheitern des planes nicht allein verantwortlich gemacht werden darf; er hat im April s830 als Erwiderung auf einen Satz in Goethes Widmung des Briefwechsels zwischen Schiller und ihm an den König Ludwig I. von Bayerns in dem Intelligenzblatte der halleschen Literaturzeitung"die amtlich nur mir bekannte Tatsache zu allgemeiner Kenntnis gebracht, daß unser Allertheuerster König Schillern, als dieser den Wunsch ge­äußert, sich in Berlin niederzulassen und deshalb nach Potsdam gekommen war, aus Allerhöchst eigener Bewegung einen Gnadengehalt von jährlich 3000 Thaler nebst freyem Gebrauche einer Hofequipage zugesichert habe." Schiller hat ja an Körner sicherlich auch den wahren Grund des Mißlingens angegeben: Ohnehin hätte ich jedes Engagement in meinen jetzigen Umständen ausschlagen müssen, da ich meiner Gesundheit gar nicht viel Zutrauen kann; auch Zelter hat 1830 im Anschluß an Beymes eben erwähnte Erklärung an Goethe geschrieben: Die Sache war freilich auch mir bekannt, und ich will nur zur Ehre meines theueren Gönners Beyme bezeugen, daß er die Sache Schillers mit Eifer in Antrag und zum Spruche gebracht hat. . . es fehlte aber auch nicht an Hindernissen . . . den Herren von der Gilde kniffen noch die Fernen in den akademischen Kaldaunen.

Als Schiller Berlin wieder verlassen hatte, ging Anfang Juli 180-1 seinWilhelm Teil" dort in Szeneich eile Ihnen zu melden, daß Teil mit Entzücken aufgenommen worden ist," schrieb Iffland an den Dichter; am 17. Mai aber des nächsten Jahres brachte dieVossische Zeitung" aus Weimardie für die deutsche Literatur höchst traurige Nachricht, daß daselbst der berühmte Dichter, Herr von Schiller, in seinem -16. Jahre gestorben ist". Fast Abend für Abend wurden nun unter Ifflands tätiger Mitwirkung Schillersche Dramen gegeben, und noch im September I80st schrieb die Königin Luise an ihre beste Freundin, die Frau von Berg: Warum ließ sich Schiller nicht nach Berlin bewegen? Warum mußte er sterben? Die Beurteilung und Wertung Schillers im Laufe der folgenden Jahrzehnte hat in manchen Ereignissen Berlins, in etlichen wichtigen Äußerungen, die an weithin sichtbarer Stelle dort getan wurden, Form

>)Durch allerhöchste Gunst wäre sein (Schillers) Dasein durchaus erleichtert, häusliche Sorgen entfernt, seine Umgebung erweitert . .. seine Arbeiten hätte man dadurch belebt und beschleunigt gesehen, dem höchsten Gönner selbst zu fortwährender Freude und der Welt zu dauernder Er­bauung." Die erste Auflage des genannten Briefwechsels erschien tSZv; in der zweiten Auf» läge von 185 S ist diese Widmung fortgeblieben.