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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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bürg, wo der Rabbi dem Chef der Gensdarmerie übergeben wurde. Der ihn Uebergebende sagte dem Gensdarmerie-Oberst, wie dieser später dem Rabbi mitteilte:

Hier bringe ich in dem Rabbi einen Mann, der ein wahrer Heiliger und Wundertäter ist. Der Gouvernements-Beamte, der ihn in Loßna festgenommen und ihn dann dem Wttbesker Gouvernement übergeben hat, hatte mir bereits Wunderbares von ihm berichtet. Aber ich habe es ihm nicht geglaubt. Jetzt habe ich es jedoch selbst erfahren in einer Weise, die ich für un­glaublich gehalten hätte, wenn sie mir ein an­derer erzählt hätte. Der Mann ist sicher kein Verbrecher, der gegen den Kaiser sich etwas hat zu Schulden kommen lasten. Ich sage Ihnen das deshalb, erstens um unsere Verzögerung auf dem Wege zu erklären, denn man kann mit einem solchen Manne nicht reisen wie mit ge­wöhnlichen Menschen; dann aber auch deshalb, damit er im Gefängnis nicht wie ein gemeiner Verbrecher behandelt wird."

Eine Anzahl höherer Beamten in Zivil führ­ten darauf den Rabbi in einem Wagen nach dem Gefängnis. Dabei wurden ihm die Augen verbunden, damit er selber nicht den Ort seines Aufenthaltes kenne. Als der Wagen eine Zeit lang gefahren war, wurde der Rabbi immer mit verbundenen Augen eine Treppe hinab­geführt, die zu einem Master führte. Er glaubte, daß jetzt seine letzte Stunde geschlagen habe und daß man ihn ertränken wolle. Ein Boot führte

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