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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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mitgeteilt werden könnte. Denken Sie sich in meine Lage. Meine Frau und Kinder wissen nicht wo ich bin, ob ich noch lebe oder bereits tot bin. Wenn sie nur das eine wüßten, daß ich noch lebe! Ich habe meinen Schwager kurz vor meiner Fortführung beauftragt, sofort nach St. Petersburg zu reisen/ er ist ohne Zweifel hier, wäre es nicht möglich, ihn darüber zu unterrichten, daß ich noch unter den Lebenden weile und daß auch im Kerker Gottes Gnade mich nicht verlassen hat?"

Wo denkt Ihr hin?" entgegnete der Oberst. Die Erfüllung dieses Wunsches ist völlig un­möglich, wenigstens fürs erste. Das muß Euere bewährte tiefe Weisheit doch einsehen. Was Eure Familie weiß, wissen wenige Tage nachher Hunderte und Tausende, das erfahren auch Eure Feinde, deren Ihr jedenfalls haben müßt, sonst wäret Ihr nicht hier. Diese werden schon dafür sorgen, daß man es auch höheren Orts erfährt, wo uian geflissentlich so großes Gewicht auf die Geheimhaltung des Verfahrens gegen Euch legt. Man wird feststellen, daß ihr mit Niemandem als eurem Gefängniswärter und mir verkehrt habt, die Folgen davon brauche ich Euch nicht zu schildern."

Der Rabbi schwieg einige Augenblicke, dann bemerkte er:

Sie haben von Ihrem Standpunkte aus vollkommen Recht, das sehe ich ein und stehe von meinem Verlangen ab. Aber ich vertraue Ihrer Menschenfreundlichkeit, daß Sie mir diesen Wunsch

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