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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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Kaiser allein war, ging er erregt in seinem Kabinett auf und ab. Er hatte durch einen kühnen, plötzlichen Eingriff in die schwerfällige Verwaltungsmaschinerie die ihm gemeldete ge­heime Verbindung im Keime ersticken und ihren Führer der verdienten Strafe entgegenführen wollen, und nun erwies sich der verhaftete Jude klüger als die höchsten Richter des Reichs. Statt daß es ihnen gelungen war, ihn zum Geständnis zu bringen, hatte er ihnen die Anerkennung seiner höheren Begabung abgerungen. Diesen Menschen wollte er gern persönlich kennen lernen, jedoch auf eine Weise, daß weder der Gefangene noch seine Richter etwas davon erfahren. Kaiser Paul hatte ein gutmütiges aber dabei ein unge­mein mißtrauisches Naturell. Es kam oft vor, daß er bis zur vollen Unkenntlichkeit verkleidet das Schloß verließ und sich unter das Volk mischte, um in irgend einer Angelegenheit, welche gerade die öffentliche Meinung bewegte, die Stim­mung des Volkes kennen zu lernen. Auf diese Weise hätte er auch gerne den gefangenen Juden kennen gelernt, der den höchsten Richtern des Reichs eine so harte Nuß zu knacken gab, über­zeugt, daß es ihm durch seine persönliche Ein­mischung leicht gelingen werde, das Rätsel zu lösen und so seine Ueberlegenheit den Richtern recht greifbar zum Bewußtsein zu bringen. Aber in die Peter Paul-Feste zu gelangen war nicht möglich, ohne noch Jemand ins Vertrauen zu ziehen. Da.kam ihm plötzlich ein guter Gedanke. Er klingelte und ließ den Chef der Gendarmerie