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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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erfährt, daß ich, der Kaiser, mich für ihn in­teressiere. Hierher kann ich ihn nicht kommen lassen, ebenso wenig kann ich bet einer der Ge­richtsverhandlungen zugegen sein, ohne Aufsehen zu erregen."

Der Oberst, der die Neigung des Kaisers für Verkleidungen und Vermummungen kannte, bemerkte:

Vielleicht wäre es das einfachste, wenn Ew. Majestät verkleidet den Gefangenen unter irgend einem Vorwand in seiner Zelle aufsuchten. Da es jedoch jeder Privatperson verboten ist, die Peter Paul-Feste zu betreten und dadurch für Euere Majestät Unannehmlichkeiten entstehen könnten, so geruhen vielleicht Majestät sich meiner Führung anzuvertrauen."

Das ist eine gute Idee- und welche Ver­kleidung glauben Sie, daß ich am besten wähle?"

Der Oberst dachte einen Augenblick nach und meinte dann:

Vielleicht wählt Eure Majestät die Tracht eines russischen Juden, mit langem Kaftan, großem Bart und Ringellocken, in diesem Auf­tritt vermutet keine Seele Eure Majestät. Ich werde zum Ueberfluß noch einen Passierschein ausstellen, der seinem Inhaber jederzeit auch ohne meine Begleitung freien Zutritt zur Insel gewährt. Dem Gefängniswärter werde ich nötigenfalls sagen, daß sich der Gefangene leidend fühle und den geistlichen Beistand eines jüdischen Geistlichen erbeten habe."

Sehr gut, Herr Oberst.

Seien Sie morgen