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nicht selber bringen. Es war kalt und der Jude hatte fast das ganze Gesicht verhüllt, sodaß man außer den Augen und den Enden des langen, grauen Bartes nichts von dem Gesichte sehen konnte.
„Führt mich in die Zelle Nr. 5. Der Gefangene Baruchowitz hat nach einem Beichtvater verlangt, den ich ihm hier bringe", sagte der Oberst zu dem Gefängniswärter.
„Dachte es mir gleich", bemerkte der Wärter mehr zu sich als zu seinem Vorgesetzten, indem er mit einer Laterne und seinem Schlüsselbund voranging.
Der Wärter ließ seinen Chef mit dem jüdischen Beichtvater eintreten und zog sich sofort zurück, da er wußte, daß es sich hier um das Beichtgeheimnis handelte. Der Raw war noch vom Morgengebet mit Tallis und Tefilltn bekleidet und saß mit dem Gesicht zur Zellentür gewandt, in das Studium eines vor ihm liegenden Buches vertieft. Als die beiden eintraten und noch kein Wort gesprochen hatten, sprang der Raw von seinem Sitze auf und recitierte in heiliger Sprache laut den Segensspruch, der beim Anblick gekrönter Häupter vorgeschrieben ist:
„Gesegnet seist du Gott, unser Gott, König der Welt, der von seiner Herrlichkeit Menschen von Fleisch und Blut einen Teil gegeben hat,"
„Was sagt Ihr da?" fragte der verkleidete Kaiser.
„Es ist der Segensspruch, den wir beim Anblick des Kaisers sprechen."