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Wenn der höchstgestellte Beamte des Reichs hier eine Zelle zu besuchen wünschte unter Ihrer Leitung, so sind Sie der Führer und der andere der Geführte. Geben Sie das zu?"
„Vollkommen."
„Das hatten Sie aber vorhin vergessen. Sie führen einen Juden in meine Zelle und lassen ihn respektvoll vorangehen. Die Zellentüre ist so eng, daß nicht zwei zugleich etntreten können, und der Thef der Gensdarmerie, Oberst Dundu- koff, läßt einem Juden den Vortritt! Dann bleibt er mit ehrerbietiger Unterwürfigkeit hinter dem Juden stehen und wagt kein Wort zu sprechen - ich dächte, auch ein Blinder hätte da sehen müssen, daß der Jude kein Jude ist. Auch wenn es ein verkleideter höherer Beamter war, wäre diese unterwürfige Haltung hier unbegreiflich. Zu erklären war sie nur, wenn der verkleidete Jude der Kaiser selber war. Meine Annahme aus der dem Kaiser mitgeteilten Ursache hat durch Ihr Verhalten eine Bestätigung erfahren, die sie über jeden Zweifel erheben mußte."
Der Oberst schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn und rief:
„Was bin ich doch für ein ungeheurer Esel, und wie seid Ihr doch die verkörperte Weisheit!"
„Sie machen sich ungerechte Selbstvorwürfe, Herr Oberst, und zeichnen mich mit einer An- erkennung aus, die ich nicht verdiene. Ja, es liegt in Ihren Worten ein unverkennbarer