Druckschrift 
Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
Seite
160
Einzelbild herunterladen

160

Denkt Euch, Rabbi, ich wollte ihm eine an­sehnliche Belohnung für seine Bemühung geben, und er hat nicht eine Kopeke angenommen,- er sagte, was er den Gefangenen tue, dafür wolle er von Menschen nicht belohnt sein."

Gott wird es ihm sicher und reichlicher loh­nen, als Menschen es vermöchten, dessen bin ich gewiß", sprach der Rabbi.Aber wir haben Dringlicheres jetzt zu besprechen, Rabbi Morde­chat. Gott schickt Euch gerade im rechten Au­genblicke zu mir, denn jetzt habe ich Eure Hilfe nötiger als je zuvor,- setzt Euch zuerst."

Rabbi Mordechai hatte aber die Rücktasche seines Mantels so schwer mit Geflügel, Backwerk und eingemachten Früchten angefüllt, daß er diese erst auspacken mutzte, bevor er sich nieder­setzen konnte. Der Raw verschloß alle diese Mundvorräte in seine Kiste und fragte dabei:

Wissen meine Frau und Kinder, daß ich noch lebe?"

Ich habe es ihnen sofort, als ich den Zettel erhielt, durch einen besonderen Boten sagen las­sen mit dem Bemerken, es streng gehein« zu halten."

Dafür sage ich Euch ganz besonderen Dank. Ist mein Schwager noch hier in Petersburg?" Als Liefler diese Frage bejahte, fuhr der Raw fort:

Er muß sofort nach Wilna reisen. Ich habe heute ein zweites Verhör vor den Richtern des geheimen Rats gehabt und habe bet ihnen er­langt, daß ich meine Verteidigung schriftlich rin-