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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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mann selber fragen, wenn er Euch jetzt über­setzt."

Das ist unnötig, denn man sieht es Euch an, daß Ihr die bösen Regungen in Euch über­wunden habt- jetzt seid Ihr würdig des Gottes­segens, den ich für Euch erflehe." Er ergriff die beiden Hände des Wärters, sprach ein leises, inniges Gebet und verließ, begleitet von der treuen Seele, die Zelle, in der er fast zwei Mo­nate gefangen gewesen war. Ehrerbietig begrüßte ihn der Bootsmann und setzte ihn ans andere Ufer. Jetzt war er frei. Rabbi Mordechai Ltefler mit einer kleinen Anzahl von Genossen erwartete ihn daselbst und führte ihn in sein Haus, wo eine große Schar von Freunden und Verehrern des teueren Gastes harrten und die Befreiung des Raw durch ein Festmahl feierten, das alle bis weit nach Mitternacht in gehobener Stim­mung zusammen hielt. Wenige Tage darauf, nachdem der Befreite sich von den Aufregungen der Gefangenschaft etwas erholt hatte, verließ er Petersburg und eilte zu den Seinen zurück. Der 19. Kislew ist bis auf den heutigen Tag ein Festtag geblieben. Auf Anordnung des Raw wurden die einzelnen Traktate des Talmud auf verschiedene Gelehrte verteilt und der ganze Talmud so bis zum nächsten 19. Kislew voll­ständig durchgenommen, ein Brauch, der sich bis heute erhalten.

XVIII.

Mit der Freisprechung und Heimkehr des Raw war die Ruhe jedoch nur äußerlich her-