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Winter hindurch mußte er fern von seiner Familie und seinem Wirkungskreise in St. Petersburg verbringen. Er richtete anfangs März ein Gesuch an den Senat mit der Bitte, seinen Prozeß zu beschleunigen, jedoch ohne Erfolg. Inzwischen war sein hartnäckiger Gegner fort und fort bemüht, seine Verdächtigungen und Verleumdungen an den maßgebenden Stellen gegen den Raw zu verbreiten. Er verlangte Einblick in die Verteidigungsschrift des Raw, was ihm jedoch abgeschlagen wurde.
Da trat am 11. März ein Ereignis von weitgehender Bedeutung ein - Kaiser Paul I. starb plötzlich. Bei der Geneigtheit, die der Kaiser dem Raw wiederholt bekundet hatte und die wohl auch die Ursache seiner raschen Haftentlassung war, mußte dieser Tod dem Raw als besonders harter Schlag erscheinen. Für den Nachfolger Paul I., Alexander I., der noch in demselben Monat als Kaiser gekrönt wurde, war der Raw eine völlig unbekannte Persönlichkeit. Es war zu befürchten, daß er den fortgesetzten Denunziationen Avigdors ein geneigteres Ohr entgegenbringen werde, so daß das Schlimmste zu erwarten war. In Briefen, die der Raw später nach seiner völligen Befreiung an befreundete Persönlichkeiten richtete, sagt er wiederholt, daß seine zweite Befreiung ein viel größeres Wunder gewesen sei, als die erste.
Es ist in Rußland Sitte, daß die drei ersten kaiserlichen Amtshandlungen eines neugewählten Kaisers sich durch Nachsicht und Milde auszetch-