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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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XX.

Die nun folgende Periode der Ruhe benützte der Raw, um in persönlichen Verkehr mit den ersten talmudischen Größen seiner Zeit zu treten. So hoch er auch die kaiserliche Anerkennung sei­nes Wirkens zu schätzen wußte, viel mehr als diese lag ihm am Herzen, seine eigenen Brüder, die ihm bis jetzt als unversöhnliche Gegner gegenüberstanden, zu überzeugen, daß diese Geg­nerschaft auch nicht den leisesten Schein einer Berechtigung hatte. Nichts war so geeignet, allen gegen den Chassidismus gehegten Verdäch­tigungen und Beschuldigungen jeden Boden zu entziehen, als die bloße Persönlichkeit des Raw. Schon sein Aeußeres hatte etwas so Imponie­rendes, daß er die Augen aller auf sich zog. Sein Freund und Gönner, der Gendarmerie- oberst Dundukoff, war davon so betroffen, daß er sein Bild bei seiner ersten Gefangennahme 1798, von dem berühmtesten Porträtmaler Petersburgs, Pawatschewska, malen ließ. Aus dem Nachlaß des Obersten ging das Bild später in den Besitz des Grafen Tischkowitz über, der es in seiner Gemäldesammlung aufstellte, ohne zu wissen, wen dieses Bild darstellt. Erst vor wenigen Jahren stieß ein jüdischer Maler auf dieses Bild in der gräflichen Btldergallerte, das «inen solchen Eindruck auf ihn machte, daß er deshalb den Grafen befragte. Dieser wußte nur, daß es das Bild eines bei den Juden hoch­berühmten Rabbiners sei, das in russischer Sprache die Unterschrift trug: Salomon

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