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Baruchowitz in Loßna." Durch den Maler erhielt ein Enkel des Raw Kenntnis von dem Bilde, und diesem gelang es, von dem Grafen die Erlaubnis zu erhalten, eine Kopie nehmen zu dürfen, der auch das dieser Erzählung betgegebene Porträt nachgebildet ist.
Jedoch noch mehr als seine äußere Erscheinung waren es die Vorzüge des Geistes und Herzens, durch welche der Raw auf jeden, der mit ihm in Berührung kam, einen ungewöhnlich nachhaltigen Eindruck machte. Unter den hervorragenden Leuchten der Thorawissenschaft, an welcher die russische Judenheit damals besonders reich war, suchte er die gefeiertesten Größen auf: Rabbi Moscheh Chefez in Zawos und Rabbi Joel in Amzislow, sowie den reichen und gelehrten Mäcen aller Thoragelehrten, Rabbi Josua Zeitlin in Sklow. Alle drei waren ausgesprochene Gegner des Chassidismus und machten bei dem Besuch des Raw auch keinen Hehl aus dieser Gegnerschaft. Sie empfingen ihn meist kühl und ablehnend und forderten ihn nicht einmal auf, Platz zu nehmen. Selbst erprobte Meister der Thorakunde, waren sie leicht geneigt, die Meisterschaft des chassidischen Rabbi auf diesem Gebiete zu unterschätzen. Da aber, wenn Rab- binen alten Schlags sich besuchten, die Thora der erste und letzte Gegenstand der Unterhaltung war, so wußte der Raw es stets etnzurtchten, daß ihm seine Gegner die schwierigsten Probleme und Fragen vorlegten. Die Vertrautheit mit allen Materien, der Scharfsinn, die Belesenheit,