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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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Mizwo gibt es kein Opfer, das ich nicht mit Freuden brächte."

Am folgenden Tage reiste Rabbi Moscheh Meisels mit Reb Schmelke nach Paris, und einen Tag später fuhr der Raw wieder nach Ladi zurück.

XXVI.

Seit der Petersburger Zusammenkunft waren fünf viertel Jahre dahin gegangen, ohne daß der Raw eine direkte Nachricht von Rabbi Moscheh Meisels aus Paris erhalten hatte. Dagegen hatte Rabbi Schmelke wiederholt an Liefler ge­schrieben, worüber dieser dem Raw nach dem Empfang eines jeden Briefes Mitteilung zugehen ließ. Nur einmal enthielt ein Brief von Rabbi Schmelke Grüße seines Herrn an den Raw mit der kurzen Versicherung, daß alles seinen guten Gang gehe. Seitdem lebte der Raw in einer fortwährenden Aufregung, da er täglich auf die Nachricht von dem Beginn des russisch-franzö­sischen Krieges hoffte. Es war ja überhaupt jene Zeit vor hundert Jahren eine ungewöhnlich Politisch erregte, deren Erregung bis in die welt­entlegensten Teile des russische» Reichs ge­drungen war und Hoch und Nieder, Jung und Alt bewegte.

Diese Erregung fand besonders am Purim des Jahres 5672 (1812) ihren Ausdruck, wenn auch ihr tiefer, welterschütrernder Ernst von der oft überschäumenden Purimsreude für die kurze Zeit des Purimfestes zurückgedrängt wurde. In