gewinnen sei, wenn ihm die Überzeugung beigebracht werde, man wisse russischerseits bereits so viel von dem ganzen Plane, daß er keinen eigentlichen Verrat begehe, wenn er unsere Kenntnisse lediglich in einigen mehr oder weniger wesentlichen Punkten noch ergänze. Solche Einzelheiten in Erfahrung zu bringen, sollte Rabbi Moscheh's Aufgabe sein."
„Und wie hat er diese Aufgabe gelöst?" fragte gespannt der Rabbi.
„Ich weiß nicht, ob ich dabei mehr den Scharfsinn oder mehr die ausdauernde Geduld bewundern soll, die monatelang für alle Kleinarbeit nötig war, um zu diesem Ziele zu gelangen. Wenn Napoleon einen großen Feldzug vorbereitet, so zieht er sich tagelang in sein „Kartenzimmer" zurück, das ist ein großer Saal in den Tuilerien, in welchem an den Wänden und auf langen Tischen Landkarten ausgebreitet sind, aus welchen er die Aufstellung, Formation und den Aufmarsch der Truppen studiert. Er läßt sich dann durch keine Regierungsgeschäfte stören und nur höchst dringende Audienzen empfängt er in diesem Kartensaal und fertigt sie kurz ab. Rabbi Moschehs Bestrebungen waren nun darauf gerichtet, in diesen Saal zu gelangen und einen Blick in die vor Napoleon ausgebreiteten Karten zu erlangen. Eine fingierte dringliche Angelegenheit aus dem Petersburger Kabinet mußte Wochen lang in Bereitschaft liegen, um sie am geeigneten Tage Napoleon vorzutragen. Durch die leicht gewonnene Dienerschaft der Tuilerien