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mußte der Tag mitgeteilt werden, an welchem Napoleon in seinem Kartenzimmer Audienzen erteilt. Daß Napoleon mit ungewöhnlichem Eifer an den Vorbereitungen für den russischen Feldzug arbeitet, wußten wir. Ebenso hatten wir die Markierungen in Erfahrung gebracht, daß z. B. die Napoleonischen Truppen durch rote, die russischen durch blaue Striche bezeichnet waren. Gelang es, einen orientierenden Blick auf die Karten zu werfen und diesen im Gedächtnis festzuhalten, so war damit wenigstens so viel erreicht, um den Kriegsminister glauben zu machen, wir seien bereits ohne ihn in alles eingeweiht."
„Und Rabbi Moscheh hat den Zutritt in den Kartensaal erlangt?" fragte der Rabbi in gespannter Erwartung.
„Er wurde morgens zehn Uhr zur Audienz befohlen, für die er in Vertretung des durch Unwohlsein verhinderten Fürsten Kurakin von der russischen Gesandtschaft designiert war. Er brachte sein fingiertes dringliches Anliegen vor, ließ aber dabei nicht nur die Blicke über Napoleons Schultern auf die ausgebreiteten Karten gleiten, sondern markierte noch mit dem Zeigefinger der rechten Hand auf dem rechten Daumennagel die wichtigsten Linien über Aufstellung und Formation der Truppen. Aber dem Adlerauge Napoleons entgingen weder diese Blicke noch diese Handbewegungen. Er sprang mitten im Satze auf, stürzte auf Rabbi Moscheh zu und donnerte ihm entgegen: