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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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Sie sind ein Spion und ich laffe Sie sofort erschießen! Wenn auch alle Regierungen ihre Spione haben, daß es aber einer wagt, indem er in Audienz vor mir steht, meine Karten aus­zuspähen und in meiner Gegenwart sie zu kopieren, das ist ein todeswürdiges Verbrechen, an Ihnen werde ich ein Exempel statuieren!"

Rabbi Moscheh verlor nicht einen Augenblick seine Ruhe. Schon hatte Napoleon seine Hand nach dem Glockenzug ausgestreckt, um durch einen Huissier Rabbi Moscheh festnehmen zu lassen, als er sich plötzlich eines anderen besann:

Ich werde bei Kaiser Alexander direkte Be­schwerde gegen seine hiesige Gesandtschaft erheben, Sie sind entlassen."

Rabbi Moscheh wollte etwas entgegnen, aber Napoleon wandte ihm den Rücken zu, und so verließ mein Herr den Kartensaal. Was er darin erreichen wollte, war ihm vollkommen ge­lungen. Er eilte nach Hause, zeichnete auf ein Blatt Papier, was er in Erfahrung gebracht hatte und erst dann erzählte er mir, indem er mir das Blatt übergab, was ihm widerfahren war. Dann bemerkte er mir folgendes:

Dieses Blatt steckt Ihr in Eure Brusttasche und wachet darüber, daß es uns nicht verloren geht. Ich kann jeden Augenblick verhaftet und niedergeschofsen werden; jedenfalls wird mir Napoleon ein Rudel geheimer Polizisten auf den Hals schicken, die jeden meiner Schrite über­wachen. Ich muß zunächst auf unsere Botschaft, um formell Bericht zu erstatten, da die mich