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umgebenden Späher es auffällig finden werden, wenn ich nach einer Audienz bei Napoleon nicht sofort den Fürsten Kurakin auffuche. Wenn man mich auf dem Wege nicht festnimmt, bin ich in spätestens einer Stunde wieder zurück. Wie es mir jetzt möglich sein wird, mit dem französischen Kriegsminister in Verbindung zu treten, das weiß ich selber nicht, denn ein einziger Besuch bei ihm würde mir und ihm den Kopf kosten."
Der Rabbi unterbrach den Bericht mit der Frage:
„Wo ist Rabbi Moscheh, und ist er am Leben?"
„Mein Herr befindet sich wohlbehalten in Paris. Die Dinge haben sich wunderbar gestaltet. Tags darauf besuchte uns ein hoher Beamter des französischen Kriegsministers und sagte meinem Herrn / er komme direkt vom Kriegsminster. Napoleon habe sich mit Bewunderung über den kühnen Wagemut geäußert, der den Löwen in seiner Höhle aufsucht. Napoleon wollte ihn wirklich hinrichten lassen, aber er habe sich plötzlich eines anderen besonnen. Er wollte den Mann, der solchen Heroismus fähig ist, für seine eigenen Dienste gewinnen. Es läge Napoleon ungemein daran, näheres über den russischen Kriegsplan zu erfahren. Wenn er ihm diesen verschaffen wolle, so werde er jeden dafür verlangten Preis zahlen. Wolle er auf den Vorschlag eingehen, so solle er sich direkt zum Kriegsminister begeben und mit ihm das Nähere verabreden, wolle er das aber nicht, so lasse ihn Napoleon als Spion hinrtch- ten. Mein Herr erklärte sich sofort bereit, dem Wunsche Napoleons zu entsprechen und versprach,