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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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Mit der Weisheit, Rabbi Schrnelke, ist's diesmal nicht weit her. Man braucht wahrlich noch lange kein Weiser zu sein, um unter solchen Verhältnissen einen solchen Rat zu geben. Er drängt sich ja dem Unbefangenen unter diesen Umständen von selber auf. Aber ich gestehe Euch, wenn selbst Napoleons Kriegsplan auf einen russischen Verteidigungskrieg berechnet wäre, hätte ich dennoch dafür gestimmt, es womöglich nicht zur offenen Schlacht kommen zu lassen, sondern ihn ins Land zu locken und ihn dort zu Fall zn bringen. Daß er durch seine Entschei­dung die unsrige so wesentlich erleichtert hat, darin erblicke ich die erste haudgreifliche Ver­blendung, mit welcher Gott alle Uebermütigen straft, bevor er sie aus ihrer Höhe in die Tiefe schleudert. Es wird jetzt leicht sein, den Kaiser und seine Räte für unsere Ansicht zu gewinnen, und das sage ich Euch schon heute: Napoleon wird in diesem Kampfe unterliegen und von dem Fall, den er auf russischem Boden erfährt, wird er sich nicht wieder erholen. Sagt das Rabbi Moscheh in meinem Namen, mit meinem Dank und meinen heißesten Segenswünschen für ihn und für Euch. Haschern jazliach Darkecho (möge Gott Keine Wege gelingen lassen), Amen."

Der Morgen hatte bereits zu grauen ange­fangen, als Rabbi Schmelke in sausendem Galopp auf seinem Schlitten davonfuhr.

XXVII.

Die Ereignisse drängten nunmehr zum Aus­bruch des Krieges. Der Raw, der die Lage