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richtig erfaßt hatte, traf seine Vorbereitungen dafür. Er unternahm kleinere und größere
Reisen und suchte allenthalben die jüdischen Massen und ihre Führer über den Ernst der Lage und über die Pflicht, die sie jedem Einzelnen und der Gesamtheit brachte, aufzuklären. Es war dies keine leichte Arbeit, da viele in Napoleon den Befreier erblickten, der allein geeignet sei, die russische Judenheit von der Schmach zu befreien, die seit Jahrhunderten auf ihr lastete. In flammender Begeisterung legte er allen die Notwendigkeit nahe, beim Anzug des Feindes Haus und Hof zu verlassen und alles Zurückgelassene zu zerstören, damit es nicht in die Hände des Feindes falle. Daß er allen mit diesem Beispiel vorangehen werde, sobald sich der Feind nähern sollte, war selbstverständlich. Diese Handlungsweise sei nicht nur ein Gebot des Patriotismus und der Treue gegen Kaiser und Vaterland, sondern auch religionsgesetzlich gebotene Pflicht mit Rücksicht auf die Geringschätzung jeder Religion und den Abfall von Gott, den das Auftreten Napoleons allenthalben zur Folge hatte.
Ganz im Gegensatz zu diesem Ernst der Auffassung der Dinge war die Stimmung in den höchsten maßgebenden Kreisen zu St. Petersburg bis hinaus zum Kaiser. Es war den Be
mühungen derjenigen, welche den Feind inS Innere Rußlands locken und ihm dort den Todesstoß versetzen wollten, nicht gelungen, den Kaiser dafür zu gewinnen. In unbegreiflicher