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Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
Entstehung
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zu räumen. Als der General dies für militäriſch unthun­lich erklärte, habe Herr v. Bodelſchwingh unter Verleſung des betreffenden Paſſus der Proklamation die Frage geſtellt: Iſt der Schloßplatz ein öffentlicher Platz oder nicht?

Da er es iſt, fordere ich im Namen des Königs die

Räumung, für die der König Sein Wort öffentlich gegeben hat. Noch bin ich des Königs Miniſter und habe es wohl auswendig gelernt, was ich als ſolcher zu thun habe. So war der vom General v. Prittwitz bekundete Wortlaut, wie noch heut durch Zeugen eidlich feſtgeſtellt werden kann. Daraufhin hat der General den Degen eingeſteckt und den Platz verlaſſen.

Daß der Miniſter v. Bodelſchwingh der Verfaſſer der Proklamation vom 18/19. März ſei, hat niemand behauptet. Die ganze Faſſung derſelben ſpricht dafür, daß ſie nicht aus einer bureaukratiſchen Feder kommt; aber Herr v. Bodelſchwingh hat ſie um 3 Uhr nachts in die Druckerei gebracht, und gegen 5 Uhr morgens den Bürgermeiſter Krausnick erſucht, für ihre Verbreitung Sorge zu tragen; an letzterer hat der Miniſter ſich, wie man ſagt, perſönlich betheiligt, in dem er eigenhändig mit Thränen im Auge Exemplare der Proklamation an eine Pumpe geklebt hat. Bei der Forderung an General v. Prittwitz, die in der Proklamation enthaltene Königliche Zuſage auszuführen, hat nicht der ganze Inhalt der Proklamation Beachtung gefunden. In der Proklamation heißt es ausdrücklich: Kehrt zum Frieden zurück, räumt die Barrikaden, die noch ſtehen, hinweg und entſendet an mich Männer voll des ächten, alten Berliner Geiſtes, mit Worten, wie ſie ſich Eurem Könige gegenüber geziemen, und Ich gebe Euch

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