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vor dem Schloſſe ein Schreiben an den Bürgermeiſter, in welchem es heißt:„Da gerade heut, wo ſich vieles bei uns entwickeln dürfte, eine ſolche Demonſtration höchſt unangenehm wäre, ſo halte ich es für meine Pflicht, ihr möglichſt entgegen zu wirken.“
Die Demonſtration und im Anſchluß daran das verhängnißvolle„Mißverſtändniß“ fand trotzdem ſtatt. Kurz vor zwei Uhr nachmittags fielen auf dem Schloßplatze die beiden Schüſſe, welche den Anſtoß zum Beginn des Barri⸗| kadenkampfes gaben. Während dieſer Zeit befand ſich v. Bodelſchwingh beim König und zeigte ſich mit dem Bürgermeiſter Naunyn neben Friedrich Wilhelm IV. auf dem Balkon.
v. Bodelſchwingh ſuchte auch jetzt noch Blutvergießen zu verhindern und ließ ebenſo wie der General- Adjutant v. Neumann durch Plakate das Volk zur Ruhe ermahnen. Seine Mühe blieb vergebens; der Straßenkampf begann ö auf allen Punkten.—— 4
Gegen Mitternacht hatte ſich derſelbe dahin entſchieden, daß die Truppen einerſeits(Füſiliere 1. Garde⸗Regiments} z. F. und Alexander⸗Grenadiere) vom Schloſſe durch die| Königſtraße bis zum Alexanderplatz, andererſeits 2. In⸗ be! fanterie⸗Regiment, je ein Bataillon 31. und 12. Infanterie⸗ f Regiments in der Friedrichſtadt bis zur Leipziger Straße vorgedrungen waren. Gleichzeitig hatten Abtheilungen des 2. Garde⸗Regiments zu Fuß die nördliche Friedrichſtraße bis zum Oranienburger Thor beſetzt und das 1. GardeRegiment z. F. ſowie Franz⸗Grenadiere das Kölniſche Rathhaus und die vor demſelben befindlichen Barrikaden| in der Breiten Straße erſtürmt. Vom Aufſtand ergriffen|
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