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Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
Entstehung
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vor dem Schloſſe ein Schreiben an den Bürgermeiſter, in welchem es heißt:Da gerade heut, wo ſich vieles bei uns entwickeln dürfte, eine ſolche Demonſtration höchſt un­angenehm wäre, ſo halte ich es für meine Pflicht, ihr möglichſt entgegen zu wirken.

Die Demonſtration und im Anſchluß daran das ver­hängnißvolleMißverſtändniß fand trotzdem ſtatt. Kurz vor zwei Uhr nachmittags fielen auf dem Schloßplatze die beiden Schüſſe, welche den Anſtoß zum Beginn des Barri⸗| kadenkampfes gaben. Während dieſer Zeit befand ſich v. Bodelſchwingh beim König und zeigte ſich mit dem Bürger­meiſter Naunyn neben Friedrich Wilhelm IV. auf dem Balkon.

v. Bodelſchwingh ſuchte auch jetzt noch Blutvergießen zu verhindern und ließ ebenſo wie der General- Adjutant v. Neumann durch Plakate das Volk zur Ruhe ermahnen. Seine Mühe blieb vergebens; der Straßenkampf begann ö auf allen Punkten. 4

Gegen Mitternacht hatte ſich derſelbe dahin entſchieden, daß die Truppen einerſeits(Füſiliere 1. Garde⸗Regiments} z. F. und Alexander⸗Grenadiere) vom Schloſſe durch die| Königſtraße bis zum Alexanderplatz, andererſeits 2. In⸗ be! fanterie⸗Regiment, je ein Bataillon 31. und 12. Infanterie⸗ f Regiments in der Friedrichſtadt bis zur Leipziger Straße vorgedrungen waren. Gleichzeitig hatten Abtheilungen des 2. Garde⸗Regiments zu Fuß die nördliche Friedrichſtraße bis zum Oranienburger Thor beſetzt und das 1. Garde­Regiment z. F. ſowie Franz⸗Grenadiere das Kölniſche Rathhaus und die vor demſelben befindlichen Barrikaden| in der Breiten Straße erſtürmt. Vom Aufſtand ergriffen|

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