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waren mithin nur noch die ſüdliche Friedrichſtadt, die Gegend öſtlich des Oranienburger Thores, das„Vogtland“ und einige Straßen jenſeits des Alexanderplatzes. Daß man dieſe Barrikaden, wenn auch unter neuen Opfern, bewältigen konnte, mußte unzweifelhaft erſcheinen.
Im Schloſſe aber herrſchte große Verwirrung. Rathgeber aller Art, wie Fürſt Lichnowsky, v. Vincke, ſelbſt Perſönlichkeiten wie Stieber und Rellſtab drängten ſich an den König heran und bewirkten es, daß ſich Friedrich Wilhelm IV., nachdem er drei Abordnungen empfangen, gegen 9 Uhr morgens zum Nachgeben entſchloß. Die berühmte Proklamation„An Meine lieben Berliner“ hatte der Monarch bereits kurz nach Mitternacht niedergeſchrieben, und allerdings wird in mehren glaubwürdigen Quellen die Behauptung ausgeſprochen, Herr v. Bodelſchwingh habe ſelbſt um drei Uhr nachts den Aufruf in die Druckerei getragen.
Jedenfalls war v. Bodelſchwingh mit dem Abmarſch der Truppen einverſtanden. Wir haben hierfür das Zeugniß des Verfaſſers einer ihrer Zeit vielgenannten Broſchüre: „Die Berliner Märztage vom militäriſchen Standpunkt. Berlin 1850“, auf welche der Staatsminiſter Graf ArnimBoytzenburg eine umfangreiche Entgegnungsſchrift folgen ließ, ein Beweis, daß der anonyme Verfaſſer hohen Kreiſen angehörte.
Es wird hier, S. 164, erzählt, daß zwiſchen den Miniſtern v. Bodelſchwingh und Graf Arnim einerſeits, den Generalen der Militärpartei andererſeits, eine lebhafte Debatte über den Abmarſch der Truppen ſtattfand.„Eine hohe Perſon(der Prinz von Preußen iſt gemein) unter
v. Varchmin, Mehr Licht!