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Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
Entstehung
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ertrotzte. Sollte dennoch das Militär einſchreiten, ſo wollte

man die Revolution ausrufen und ſich ſelbſt weislich hinter die Couliſſen ziehend, den fremden und heimiſchen Pöbel, beſonders die methodiſch aufgewiegelten und zum Theil organiſirten Handwerksgeſellen hinter die Barrikaden ſtellen. So der Plan! Ich glaubte ihm zuvorkommen zu müſſen, weil ſelbſt ein Verſuch ſchon den Schein des Er­trotzens habe und dadurch jedes Geſchenk ſchwächen müßte. Darum ſchrieb ich in der Nacht vom 17. zum 18. das

Patent vom 18. und ſandte Boten ab an den Oberbürger­meiſter, die Stadtverordnetenvorſteher, den Polizeipräſidenten mit der Weiſung, alles aufuzubieten, damit keine Aufwieg­lungen ſtattfänden. Es ſei der Tag erſchienen, wo durch großartigen Entſchluß des Königs Deutſchland und Preußen in eine neue Phaſe treten werden. Jede bedeutende Demon­ſtration könne dieſe Schritte unmöglich machen oder den Zweck vereiteln. Am Morgen trug ich mein Opus zum Miniſter Kanitz, dann zum Grafen Arnim. Beide approbirten ſolches unbedingt und letzterer wurde, als ich noch bei ihm war, zum Könige gerufen. Der König, zu dem wir fuhren, approbirte es nach einigem Widerſtreben wegen des Wortes konſtitutionell, und vollzog mit dem Prinzen von Preußen mein Konzept, damit er ſagen könne,ich habe es vollzogen. Dann wanderte es in die Druckerei. Inmittelſt erſchien gegen Mittag auf meine Veranlaſſung eine Deputation des Magiſtrats und der Stadtverordneten vor dem König; dieſer theilte ihnen mündlich mit, welche Schritte er gethan, ich verlas das Patent und alle ſelbſt die radikal exal­tierteſten erklärten ſich(aufrichtig) für befriedigt, dankten unter Thränen und verſprachen die Stadt völlig zu beruhigen.