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Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
Entstehung
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wurden, während jedoch andere mit Schutzbinden die wü­thendſten Reden führten. Mehrmals war ich im Begriff, einen herauszugreifen und ihn rückwärts den Soldaten zu­zuſchleudern nur mit Mühe hielt ich mich. So ſtanden wir in dem Portal, hinter uns die gefällten Bajonette der Wache, vor uns die drängenden und ſchreienden Haufen; da die Soldaten uns nicht durchbrechen konnten, ſo ver­loren wir immer mehr Terrain und waren ſchon tief ins Portal hineingedrängt, als wir uns überzeugten daß alles vergebens ſei und wir uns zurückzogen. In dem Augen­blicke, wo ich in den über dem Portal befindlichen Saal zurückkehrte, rückten auf Befehl des Gouverneurs 2 Com­pagnieen Infanterie unter Trommelſchlag aus einem anderen Portal aus, marſchierten, das Gewehr auf der Schulter, auf und rückten in Front, die eine gegen die Breiteſtraße, die andere links ſchwenkend gegen die Kurfürſtenbrücke, und in zwei Minuten war der Schloßplatz ohne den leiſeſten Widerſtand und ohne daß jemand ein Haar gekrümmt war, bis auf einige kleine Gruppen von Schutzmännern, die die Soldaten durchgelaſſen hatten, geräumt; die Dragoner marſchierten im Schritt, den Säbel in der Scheide aus der Schloßfreiheit, ſchwenkten auf dem leeren Platze ein und hielten hinter der Infanterie. Auf dem Trottoir zwiſchen der Brücke und der Breitenſtraße waren noch Pöbelhaufen ſtehen geblieben. Eine Sektion(15 bis 18 Mann) von der Compagnie an der Breitenſtraße wurde entſandt, auch dieſe zu räumen. Sie gingen mit: Gewehr fertig!(nach dem neuen Exercitio unter 45° in der Höhe gerichtet), und während auch ſie nicht den mindeſten Widerſtand fanden, entluden ſich zwei Gewehre, natürlich ohne den mindeſten