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Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
Entstehung
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Schaden zu thun. Damit ſchien einſtweilen alles beendet und würde ich dies ſelbſt geglaubt haben, hätte mich nicht der Polizeipräſident während des Vivatgeſchreies beſchworen, demſelben nicht zu trauen, indem unfehlbar um 2 Uhr revolutionäre Bewegungen ausbrechen würden und wäre auch vorher die Republick proklamirt. Und ſo geſchah es. Das Erſcheinen der Truppen war das Zeichen. Wüthende Kerle ſtürzten vom Schloßplatze durch alle Straßen mit dem Geſchrei:Revolution! Der König läßt die Bürger auf dem Schloßplatz niederſchießen und hauen, Verrath Barrikaden das Pflaſter aufgeriſſen! auf die Dächer! u. ſ. w. Noch waren nicht 10 Minuten vergangen als man meldete: die Schildwache an der Bank ſei ermordet, das Gouvernementsgebäude geſtürmt; in allen Straßen wurden Barrikaden errichtet, es fielen einzelne Schüſſe auf das Militär. In dieſem Augenblick war General Pfuel, der die militäriſchen Anordnungen leiten ſollte, verſchwunden und nirgends aufzufinden, und darüber verging eine halbe Stunde, welche vielleicht genutzt hätte, den Aufſtand mit unbedeutendem Blutvergießen im Keime zu erſticken.(Er war ganz ſorglos nach Hauſe gegangen, ohne jemand zu ſagen, wo er wäre, und dort von dem Pöbel abgeſperrt in der Bank bei v. Lamprecht ſeinem Verwandten). Nun mußte v. Prittwitz herbeigeholt werden um den Ober­befehl zu übernehmen; darüber war aber koſtbare Zeit ver­gangen und die Stadt hatte eine revolutionäre Phyſiognomie angenommen. Man hatte kaum 100 Schritt von der an der Kurfürſtenbrücke aufgeſtellten Compagnie an der Poſt­und Königsſtraßenecke und weiter an allen Ecken der Königs­ſtraße durch umgeſtürzte Omnibus, Bretter, Steine und