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Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
Entstehung
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gewaltſam den Häuſern entriſſene Möbel Barrikaden errichtet und fing an, aus den Eckhäuſern der Burg⸗ und Königs­ſtraße auf die Truppen an der Brücke zu feuern. Da wurde der Befehl gegeben, die Königsſtraße zu ſäubern; das Füſilier­Bataillon des 1. Garde⸗Regiments vollzog ihn mit eben ſo viel Muth als Mäßigung. Auf der Straße hielt niemand Stich; aus den Fenſtern wurde geſchoſſen und eben daher mit Steinen geworfen, welches die Soldaten mit Gewehr­feuer erwiderten und dann in die Häuſer, welche ſich be­ſonders feindſelig bewieſen, eindrangen und gegen 300 Per­ſonen des fürchterlichen Geſindels gefangen und theilweiſe verwundet herausſchleppten. Das Bataillon hatte nach Stunden die Königsſtraße bis zum Alexanderplatz er­obert und nur einen Todten und etwa 20 meiſt durch Stein­würfe(wenig Schußwunden) Verwundete. Später wurde in ähnlicher Weiſe auch die Breiteſtraße genommen, wo am Ende eine ſehr feſte Barrikade errichtet und von den an­ſtoßenden Häuſern, beſonders dem Köllniſchen Rathhauſe, vertheidigt wurde. Dieſer Kampf war der heftigſte; es bleiben 6 bis 7 Soldaten und einige 40 wurden verwundet; in den Häuſern ſollen die Bajonette ſtark gearbeitet haben. Aehnlich wurde in anderen Straßen auch gekämpft. Kein Meuterer hatte anders als hinter dem Fenſter lauernd den Rücken eines Soldaten geſehen. Abends gegen 11 Uhr hatten die Truppen das Oranienburger, Brandenburger und Leipziger Thor, die Friedrichſtadt vom Oranienburger Thor bis zur Leipziger Straße einſchließlich des Friedrichs­werders das eigentliche Berlin bis zum Alexanderplatz be­ſetzt; der übrige Theil der Stadt war noch in Händen der Meuterer. Es wurde verabredet, daß eine Stunde vor