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Beit über die Bildung des neuen Miniſteriums unterhandelt und der König unterſchrieb unmittelbar darauf das bezügliche Dekret in meiner Gegenwart; A. ließ es drucken und an den Straßenecken anheften, was— beiläufig gejagt— bis jetzt die einzige Art iſt, wodurch ich von der Annahme meiner Entlaſſung offiziell in Kenntnis geſetzt bin. Das neue Mi niſterium ſollte mithin unmittelbar in Funktion treten. Ich verabſchiedete mich von dem König und der Königin und ging gegen 11 Uhr zu Hauſe, ohne zu ahnen, welche Ereigniſſe meinem Rücktritt unmittelbar folgen würden. — Mit dem Ordnen meiner, theils an die Kabinetsräthe, theils an meine Direktoren abzugebenden Papiere eifrigſt beſchäftigt, vernahm ich nichts was in Berlin vorging, bis gegen ſechs Uhr abends Meding mir die Nachricht brachte: der König habe vom Balkon allgemeine Amneſtie verkündigt, den Zug der Leichen mit entblößtem Haupte anſehen müſſen, ſämmtliches Militär entlaſſen,— das Schloß ſei vom Pöbel beſetzt, ſo alle Wachen, die Waffen aus dem ZeugHaufe wieder vertheilt u. ſ. w. Ich traute meinen Ohren nicht und eilte ſelbſt aufs Schloß, um mich von dem Zuſtande zu überzengen. Der König war wirklich ein Gefangener! Wer ihn dazu gemacht und wie dieſe Ereigniſſe ſich im Sturme gefolgt, niemand weiß es weniger als ich. — Ich fragte nur mit wenigen Worten Arnim, ob er unter ſolchen Umſtänden wirklich noch das Staatsſchiff zu ſteuern vermeine. Er bejahte es, und ſo war für mich nichts mehr zu thun. Bis zum Dienſtag, den 20., hoffte ich noch und mit mir viele, der König werde ſich herausreißen, und hätte ich ihm dann gern meinen Degen zu ehrlichem Kampfe, der unausbleiblich ſchien und ſcheint,
v. Varchmin, Mehr Licht! 3