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Vorgang gleich nach der erfolgten Kataſtrophe und ſehr oft nachher ſtets in folgender Weiſe erzählt:;
„Miniſter Bodelſchwingh ſchrieb mir im Auftrag des Königs, ich ſolle nach Berlin kommen(wahrſcheinlich um ins Miniſterium zu treten). Als ich nach Berlin kam, es war der 18. März, fand ich die Stadt im Aufſtand. Ich aß mit Rheinländern und Weſtfalen zuſammen, ſie beſchworen mich, zum König zu gehen. Ich gab endlich nach. Ich ging ins Schloß und ließ mich beim König melden. Er ließ mich ſofort eintreten, ich fand ihn, umgeben von Generalen und höheren Militärs in großer Niedergeſchlagenheit, völliger Rathloſigkeit. Er ſagte:„Wir berathen hier was geſchehen ſoll, was ſagen Sie, Vincke?“
Ich erwiderte:„Con centriren Ew. Majeſtät die Armee um das Schloß und laſſen Ew. Majeſtät ſcharf einhauen, gegen eine Stadt im Aufſtand giebt es kein anderes Mittel.“ Der König:„Nein, das geht nicht“, die Generale ebenſo. Ich war entlaſſen und ging.
Es iſt ſchwer, über ſolche Dinge ohne die genaueſte unintereſſirt objektive Vergleichung aller Einzelheiten abzuurtheilen; denn erſt eine Abwägung aller Zeugenausſagen würde Klarheit ſchaffen können. Auch Fürſt Bismarck bezog ſich in ſeinem Urtheil über den Miniſter v. Bodelſchwingh nur auf eine ſolche Ausſage, neben der ſehr wohl andere abweichende beſtehen können.
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Zur Charakteriſtik des Miniſters v. Vodelſchwingh. Anſprache des Abgeordneten Miniſters v. Bodelſchwingh an ſeine Wahlmänner im Soeſter Wahlbezirk: