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Alles mit Blindheit geſchlagen, als könne oder wolle Niemand erkennen die mit jedem Tag, jeder Stunde im Volk wachſende Krankheit, die doch zweifellos in ihrem Fortſchreiten das Weſen des Staats und der Familien in ihren innerſten Tiefen zu verzehren drohte. Wohin man in jenen Tagen ſeine Schritte lenkte,— überall gewahrte man mit Schrecken eine überhandnehmende Zügelloſigkeit, eine Mißachtung der Geſetze als Folge des im Weſten Europas entſtandenen und mit kaum noch zu hemmender Gewalt ſich heranwälzenden Stromes politiſcher und ſozialer Irrlehren.
Hatte man aber ſtaatlicherſeits in den Tagen vom 1. bis zum 13. März mit Gleichgiltigkeit und in vornehmer Verachtung dem wüſten Treiben der niederen Volksklaſſe zugeſchaut, ſo ließ doch ſchon der 13. März wiederum ein Montag, an dem alſo a priori„blau“ gemacht wurde— deutlich genug die Illuſion erkennen, in der man ſich bisher über die wahren Ziele der aufrühreriſchen Bewegung befunden hatte. Alle Welt ſchien kopflos geworden zu ſein, ſo daß trotz der ſichtlich täglich ſtärker werdenden Gefahr doch alles unterblieb, was die Vorſicht gebieteriſch erheiſchte. Auch der geringſte Verſtand hätte doch in jenen Tagen, 13. bis incl. 16. März, in denen der Pöbel zu Tauſenden beſtändig vor dem Königlichen Schloß verſammelt war, Breite⸗, Bruder⸗, König⸗Straße u. ſ. w. derart erfüllte, daß buchſtäblich alle Kommunikation gehemmt war, und ſein beſtändiges, dem Grollen unterirdiſcher dämoniſcher Mächte vergleichbares Gemurmel, einem mahnenden Geiſte gleich, das Ohr der ringsum aus den Fenſtern nach der Straße beſorgnißvoll hinauslugenden und ängſtlich horchenden Bewohner traf, erkennen müſſen, wie dringend geboten es war,