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Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
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angehalten hatte, konnte unmöglich ſo plötzlich aufhören, gleichſam im Sande ſich verlaufen. So urtheilte jeder Unbe­fangene; fo wird auch die Staatsbehörde geurtheilt haben. Das ergab ſich deutlich genug aus dem Umſtande, daß auch am Freitag die Truppen tagsüber in den Kaſernen konſignirt waren, mit anbrechender Dunkelheit aber die geſammte Garde⸗Kavallerie vom Brandenburger Thor ab, die StraßeUnter den Linden entlang und bis hin zum Opernhaus kampiren mußte. Eine derartige Vorſicht ſcheint man aber am 18. März nicht mehr für nöthig erachtet zu haben, ſo daß anzunehmen ſteht, man habe ſich an geeigneter Stelle ſchließlich doch täuſchen laſſen durch die erwähnte eben ſo ſchnell wie voll eingetretene Ruhe. Der damalige Polizeipräſident v. Minutoli, durch zuverläſſige Kundſchafter von den Abſichten der Agitations­partei unterrichtet, ſoll es nicht an Warnungen haben fehlen laſſen; aber Thatſache iſt, daß für den 18. März alle Maßregeln unterblieben waren, die einen etwaigen Maſſen­aufſtand gleich im Keime hätten erſticken können. Durch Verſtärkung der vielen Wachen, Aufſtellung von Piquets an geeigneten Stellen und Bereithaltung der zahlreich vor­handenen Kavallerie würde man für alle Fälle im Stande geweſen fein, wenigſtens die Hauptſtraßen der Stadt licht und frei zu halten, den Bau von Barrikaden zu hindern, ſo daß die Beſeitigung von Sperrungen in Nebenſtraßen eine unbedeutende Arbeit geweſen wäre, falls ſie ſich über­haupt als Nothwendigkeit herausgeſtellt hätte.

Der Straßenkampf am 18. März iſt, um es nochmals zu ſagen, nicht ein Werk des Zufalls geweſen, auch nicht durch Mißverſtändniſſe entſtanden, wie oft genug von