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Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
Entstehung
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Zeitungen der verſchiedenſten politiſchen Richtung behauptet wurde, ſondern muß als eine ſyſtematiſch vorbereitete Hand­lung betrachtet werden, für deren Beginn und Ausführung ein bis in die kleinſten Details ſich erſtreckender Plan ausgearbeitet worden war.

Dieſer Anſicht bin ich von Haus aus geweſen nach den an Ort und Stelle gemachten eigenen Wahrnehmungen, und iſt dieſelbe nur noch beſtätigt worden durch den ge­nannten Schriftſteller Held, der beſſer als jeder Andere die geheimen Fäden derBerliner Märzereigniſſe kennen gelernt hatte.

Für die Mittagſtunde des verhängnißvollen 18. März war das geſammte Proletariat Berlins in die Nähe des Königlichen Schloſſes beordert worden; was nicht unmittel­bar vor dem Schloſſe Platz fände, ſollte in den angrenzen­den Straßen Aufſtellung nehmen und zum Beginn des Barrikadenbaues bereit ſein, ſobald das Signal dazu ge­geben werden würde. Jene beiden Schüſſe, die man als ganz zufällige undſo verhängnißvolle bezeichnet hat, find, wie Held mir auf fein Wort verſicherte, von einem enragirten Agitator aus einem bereit gehaltenen doppel­läufigen Terzerol in dem Augenblick abgefeuert worden, als das Militär ſich anſchickte, die gegen das Schloß ge­fahrdrohend drängende Volksmaſſe wieder zurückzudrücken. Die beiden Schüſſe ſollten das Signal ſein für diejenigen, die ſie zu hören vermochten, während die zurückfluthenden, dann nach allen Richtungen der Stadt ſich zerſtreuenden Volksſchaaren nolens volens am allerbeſten den Befehl zum Beginn des Barrikadenbaues weiter verbreiten, und auch zu­verläſſige Emiſſäre dafür in allen Stadttheilen ſorgen würden.