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er nicht anders durfte, in Uniform befand. Fähnrich v. Olszewski und ich hatten nach abgelegtem Offizierexamen einen uns bewilligten vierwöchentlichen Urlaub angetreten, und trugen deshalb Civilkleidung. In jenen Tagen, namentlich aber am 18. März, erſchien es allerdings wie Tollkühnheit oder gar Provokation, auf der Straße oder in öffentlichen Lokalen in Militärkleidung zu erſcheinen. Behaglich rauchten wir eine Cigarre und waren eben, dabei, eine Partie Domino über die Bezahlung des genoſſenen Kaffees entſcheiden zu laſſen, als haſtig die von der Straße in die Konditorei führende Thür aufgeriſſen wurde und eiligen Schritts ein Mann mit mächtigem Demokratenbart, hochgeröthetem Antlitz und flammendem Blick hereintrat. Er ſetzte ſich nicht, beſtellte auch nichts, offenbarte aber ſehr bald den Zweck ſeines Beſuches. Denn mit Stentorſtimme rief er den im Lokal verſammelten Gäſten zu:„Wie, meine Herren! Sie können hier noch ſitzen, in aller Gemüthsruhe Kaffee ſchlürfen, Kuchen eſſen und Zeitungen leſen?“ Und dann, den Ton ſeiner Stimme bis zur Raſerei ſteigernd,„auf zu den Waffen, wer kein Feigling, kein Volksverräther iſt! man mordet das Volk, unſere Söhne und Brüder, die vor dem Schloſſe erſchienen waren, ihrem König zu danken für Bewilligung von Preßfreiheit und Einberufung des Landtags. Mindeſtens 500 von ihnen netzen jetzt mit ihrem Herzblut, decken mit ihren todten Leibern das Straßenpflaſter!“— Die Wirkung dieſer Worte läßt ſich nicht entfernt ſchildern! Entrüſtet, erſtaunt, ſprachlos blickte Alles dem ſchnell davon eilenden Sprecher nach. Dann aber bemächtigte ſich des größten Theils der anweſenden Gäſte eine unbeſchreibliche Aufregung.