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des Schloſſes zu betten, wohin ein Frauenherz voll Schnſucht nach Verſöhnung fie ruft, wo liebevolle Pflege ihrer wartet. Doch voran, noch erhitzt von dem Kampfe, nicht gewöhnt an Selbſtbeherrſchung, an Zähmung der einmal zur Wildheit entfeſſelten Leidenſchaften, trunken, zu jeder Gewaltthat, zu jeder Rohheit ohnehin ſtets allzu bereit — voran ſtürmt unter wildem Gejauchze, in chaotiſchem Getümmel der Pöbel, die Hefe jeder Hauptſtadt, jene Hefe der Menſchheit, die ja leider noch im Schooße aller dicht bevölkerten Orte unter äußerem Glanze und Firniſſe peſtaushauchend den unheimlich dunklen Untergrund der Geſellſchaft bildet und bei jedem die Tiefen aufwühlenden Sturme auf die Oberfläche geſpült wird. Mit Blut beſpritzt, Mordwerkzeuge jeder Art, neben Feuerwaffen verſchiedener Conſtruktion Aexte, und andere Eiſenwerkzeuge, rieſige Stangen mit Bajonnet und Senſe, mit Zinken und Haken, Rappiren und Säbel, kurz, das mannigfaltigſte Gewaffe aus der Vorväter Hausrath in ſchwieligen Händen ſchwingend, bekleidet mit verſchliſſener Joppe, mit zerriſſener Blouſe, mit erbeuteten Uniformſtücken, gräßlich verſtümmelte Leichen mit ſich ſchleppend, ſo rückt näher und näher dieſer entſetzliche Vortrab. Und ſchon hat der wirre und wüſte Haufen das Schloß erreicht und umzingelt; ſchon ergießt er ſich vom Lustgarten, vom Schloßplatze aus in die hochgewölbten Portale.
Warum aber ſtockt plötzlich die reißend ſchnelle Bewegung der Menge, warum ſtaut ſich der entfeſſelte Strom? Verſtummt auf eine Sekunde iſt das ohrzerreißende grauſige Getöſe; Niemand will glauben, was er ſieht, wie auf ein Trugbild ſtarren die zweifelnden Blicke! Doch nur einen