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Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
Entstehung
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welche dann ganz nothwendig hätten eintreten müſſen. Und das Bewußtſein der ſchweren Verantwortung, die ein fürchter­liches Verhängniß auf ſeine Schultern gewälzt, prägte ſich aus in der entſchloſſenen energiſchen Haltung, der gewalt­ſam erzwungenen Ruhe jenes kommandirenden jungen Offiziers. Regungslos wie eine Bildſäule ſtand er da, regungslos ſeine kleine Mannſchaft. Auszuharren auf dem ihm anvertrauten Poſten heiſcht das Geſetz, befiehlt ihm die Pflicht, gebietet ihm die Ehre, und auszuharren war er gewillt bis zum letzten und äußerſten Moment. Die düſter zuſammengezogenen Brauen, das entſchloſſen blitzende Auge ſprechen eine nicht mißzudeutende Sprache: nicht als Lebender wird er ohne Ordre ſeinen Vorgeſetzten vom Platze weichen; nur über ſeine Leiche geht der Weg. Einem gewaltig tragiſchen Looſe ſcheint das Geſchick den Pflichtgetreuen weihen zu wollen. Stürzte die drohend und durch den Nachſchub immer drohender anſchwellende und andrängende, von den edleren Elementen der Bürger­ſchaft wenig oder kaum durchſetzte, geſchweige denn geleitete Rotte auf ihn und ſeine kleine Schaar, ſo durfte er dieſem feindlichen Angriffe nicht tapfere Gegenwehr entgegen ſtem­men, nicht in männlichem Kampfe ſein Leben theuer ver­kaufen morden, ruhmlos hinſchlachten mußte er ſich laſſen, ohne nur die Hand zum Widerſtande regen zu dürfen, wenn er nicht die von Neuem entfeſſelte Furie zu ſinnloſer Wuth, zu den entſetzlichſten Thaten reizen wollte. Stand er doch an den Stufen des Thrones eine land­läufige Phraſe, die hier zur prägnanteſten, inhaltsſchwerſten Wahrheit und Wirklichkeit ward in des Wortes verwegenſter

Bedeutung. An den Stufen des Thrones ſtand er im v. Varchmin, Mehr Licht! 6