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Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
Entstehung
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Vollbewußtſein der auf ihm laſtenden Aufgabe, mit klarem Blicke die verhängnißvolle Situation überſchauend. Doch wird das dem Vaterlande in einem ſchrecklichen Momente dargebrachte Opfer nicht vergebens gebracht ſein? Wird die kleine ihm untergebene Schaar fein Beiſpiel zum Muſter nehmen, ſie, die ohne umfaſſenden Ueberblick über die furchtbar nahe Kataſtrophe nur dem natürlichen Inſtinkte, dem von den Umſtänden ausgehenden Anſtoße zu folgen bereit, nur allzu bereit erſcheint? Und näher, immer näher rückt der entſcheidende Augenblick. Mit Schimpf⸗ und Schmähreden der roheſten Art, mit pantomimiſchen und handgreiflichen Inſulten wird der Soldat überſchüttet, gehöhnt und gereizt. Ein Kerl mit einer Drehorgel, confiscirtem Geſichts, zerlumpter Kleidung und zerlappter Befilzung, pflanzt ſich dicht vor den Lieute­nant und intonirt mit kläglichem Gezeter:Ach, du lieber Auguſtin Alles iſt weg Alles iſt weg. Dem ſtürmiſchen Ausbruch hölliſchen Gejodels und Gejubels folgen minder harmloſe Herausforderungen:Haut ihnen die Helme herunter! Hinaus mit den Tagedieben! Nieder mit den Mordgeſellen! Und den Drohungen folgt endlich die That. Ein Menſch von athletiſchem Körperbau, mit rußigem Antlitz und blutender Armwunde, ſeines Zeichens ein Schloſſer oder Schmied, ſpringt aus dem immer enger, immer unentwirrbarer ſich ſchürzenden Knäuel hervor und führt mit hochgeſchwungener Eiſenſtange einen gewaltigen Schlag auf den Helm eines Grenadiers. Der Getroffene wankt, hält ſich aber mannhaft aufrecht. Die Gewehr­kolben raſſeln auf den ſteinernen Quadern; ein unheil­ſchweres Gemurmel pflanzt ſich fort durch die Reihen der