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Soldaten— doch ein Blick auf den Offizier, und vor eiſerner Disciplin ſich beugend, ſteht Gewehr bei Fuß, ſtraff und ſtramm und lautlos die Schaar. Von dieſem paſſiven, jedenfalls als Furcht gedeuteten Widerſtande mehr und mehr zu Uebermuth, zu frecher Gewaltthat aufgeſtachelt, ſchreitet die hier ganz ſich ſelber überlaſſene, jeder verſtändigen und humanen Führung entbehrende Pöbelrotte zu gemeinſamem Angriff. Doch nicht von den Waffen macht ſie Gebrauch, die vielgeſtaltig in Aller Händen blitzen; es waltet doch ein dumpfes Gefühl in dieſen Menſchen von der ehrloſen That, nach Schluß des Friedens mit ungeheurer Uebermacht den ruhig daſtehenden Gegner vergewaltigen zu wollen. Aber zu derjenigen Waffe greifen ſie, die der Straßenbube zur Hand nimmt, um ſich in Verlegenheiten Luft zu machen: Ein Hagel von Steinen, nicht gerade großen Calibers, praſſelt auf die Soldaten. Er richtet nicht viel Unheil an. Doch ein gewaltiger Prellſtein rollt über den Eſtrich und trifft und zerquetſcht den Fuß des Officiers. Von grimmem Schmerze übermannt, taumelt er zurück; einer Ohnmacht nahe— die Natur iſt ſtärker, als der herriſche Wille— lehnt er ſich, der Stütze bedürftig, an eine Sandſteinſäule, um nicht haltungslos zuſammenzubrechen. Und die Grenadiere? Helllodernder Zorn zerbricht den Hemmſchuh militäriſchen Ordreabwartens; ohne Commando, doch wie auf Commando avanciren, ihren Führer deckend, die Reihen. Es erheben ſich die Flinten; es knacken die Hähne; an die Schulter fliegen die Kolben— noch ein Augenblick, und im Innern des Schloſſes, an den Stufen des Thrones entzündet ſich die wilde Gluth des gräßlichen Kampfes, deſſen Ausgang kaum 6*