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durch Völkerrecht oder Verträge regulirt und gesichert zu werden pflegt. Erst wenn diese Grundlage hergestellt sein wird, wenn die Ebenbürtigkeit der Juden mit den übrigen Nationen eine Tatsache geworden ist, kann das Problem der Judenfrage als gelöst betrachtet werden.
Leider ist eine solche Ebenbürtigkeit, die in einer längst vergessenen Vergangenheit als Realität existirte, erst wieder in einer so entfernten Zukunft zu erwarten, dass unter den jetzigen Verhältnissen das Einreihen des jüdischen Volkes in die Kategorie der andern Völker illusorisch erscheint.
Es fehlen ihm hierzu die meisten jener Attribute, welche notwendig zur Erkennung einer Nation dienen. Es fehlt ihm jenes ureigene Leben, das ohne gemeinsame Sprache und Sitte, ohne räumliche Zusammengehörigkeit nicht denkbar ist. Das jüdische Volk hat kein eigenes Vaterland, wenn auch viele Mutterländer; es hat kein Zentrum, keinen Schwerpunkt, keine eigene Regierung, keine Vertretung. Es ist überall anwesend und nirgends zu Hause. Die Nationen haben es nie mit einer jüdischen Nation, sondern immer nur mit Juden zu tun. Für eine jüdische Nationalität fehlt es den Juden an einer gewissen, jeder andern Nation innewohnenden charakteristischen Volkstümlichkeit, welche durch das Zusammenwohnen auf einem Staatsgebiete bedingt ist. Diese Volkstümlichkeit konnte sich natürlicher Weise in der Zerstreuung nicht herausbilden. Vielmehr scheint bei den Juden jede Erinnerung an die einstige gemeinsame Heimat vernichtet zu sein. Dank ihrer leichten Anpassungsfähigkeit haben sie nur um. so. leichter sich die ihnen nicht angeborenen Eigentümlichkeiten derjenigen Völker angeeignet, unter die das Schicksal sie geworfen. Nicht selten haben sie sogar, ihren Schutzgebern zuliebe, sich ihrer traditionellen Originalität gänzlich entäussert. Sie haben sich gewisse kosmopolitische Tendenzen angeeignet oder eingeredet, welche ebensowenig andern zusagen, als ihnen selbst genügen konnten.
Indem sie sich mit andern Völkern zu amalgamiren suchten, haben sie sich gewissermassen mutwillig ihrer eigenen Nationalität begeben. Nirgends aber haben sie es durchgesetzt, dass sie von ihren Mitbürgern als ebenbürtige Eingeborene anerkannt worden wären.
Was jedoch die Juden am meisten von der Erstrebung einer. eigenen nationalen Existenz zurückhält, ist der Umstand, dass sie nach einer solchen Existenz kein Bedürfnis fühlen. Ja, sie fühlen nicht nur kein Bedürfnis darnach, sondern leugnen sogar die Berechtigung eines solchen Bedürfnisses.
Beim Kranken ist das fehlende Bedürfnis nach Speise und Trank ein sehr bedenkliches Symptom. Nicht immer gelingt es,
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