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Autoemanzipation : Mahnruf an seine Stammesgenossen von einem russischen Juden / Leo Pinsker. Mit einem Vorw. v. M. T. Schnirer
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ihn von seiner verhängnisvollen Anorexie zu befreien. Und glückt es selbst, diese zu heben, so ist es noch fraglich, ob der Kranke im Stande sein wird, die bereits begehrte Speise auf­zunehmen.

Die Juden sind in der traurigen Lage eines solchen Kranken. Auf diesen wichtigsten aller Punkte müssen wir mit aller Ent­schiedenheit eingehen. Wir müssen den Beweis führen, dass das Missgeschick der Juden vor allem in'ihrem Mangel an Bedürfnis nach nationaler Selbständigkeit begründet ist, dass dieses Be­dürfnis aber notwendig in ihnen geweckt und wachgehalten werden muss, wenn sie nicht einer ewig schmachvollen Existenz preisgegeben sein wollen; mit einem Wort: dassısie eine Nation werden müssen.

In dem unscheinbaren Umstande, dass die Juden den Völkern nicht als selbständige Nation gelten, liegt zum Teil das Geheimnis ihrer Ausnahmestellung und ihres endlosen Elends. Die blosse Zugehörigkeit zu diesem Volke ist ein unauslösch­liches Brandmal, abstossend für den Nichtjuden und peinlich für den Juden selbst. Und dennoch ist diese Erscheinung in der Natur des Menschen tief begründet.|

Unter den lebenden Nationen der Erde stehen die Juden als eine schon seit langem abgestorbene Nation da. Mit dem Verluste ihres Vaterlandes sind sie ihrer Selbständigkeit ver­lustig gegangen und einer Zersetzung anheimgefallen, die sich mit dem Wesen eines einheitlichen, lebendigen Organismus nicht verträgt. Der unter der Wucht der Römerherrschaft erdrückte Staat verschwand vor den Augen der Völker. Aber nachdem das jüdische Volk seine staatlich-leibliche Existenz, sein politisches Dasein aufgegeben, konnte es dennoch der totalen Vernichtung nicht anheimfallen, hörte es nicht auf, geistig als Nation fort­zubestehen. Die Welt erblickte in diesem Volke die unheimliche Gestalt. eines Toten, der unter den Lebenden wandelt. Diese geisterhafte Erscheinung eines wandelnden Toten, eines Volkes ohne Einheit und Gliederung, ohne Land und Band, das nicht mehr lebt und dennoch unter den Lebenden umhergeht, diese sonderbare Gestalt, welche in der Geschichte ihresgleichen kaum wiederfindet, die ohne Vorbild und ohne Abbild ist, konnte nicht verfehlen, in der Einbildung der Völker auch einen eigentüm­lichen, fremdartigen Eindruck hervorzubringen. Und wenn die Gespensterfurcht etwas Angeborenes ist und eine gewisse Be­rechtigung findet im psychischen Leben der Menschheit was Wunder, dass sie sich auch angesichts dieser toten und dennoch lebenden Nation in hohem Grade geltend machte?

Es hat sich eine Scheu vor dem Judengespenst durch Ge­schlechter und Jahrhunderte vererbt und. befestigt. Diese Scheu