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führte zu einer Voreingenommenheit, welche ihrerseits in.Verbindung mit noch andern Umständen der Judophobie Platz gemacht hat.
Im Verein mit allen anderen unbewussten und abergläubischen Vorstellungen, Instinkten und Idiosynkrasien hat auch die Judophobie bei allen Völkern der Erde, mit denen die Juden verkehrten, das volle Bürgerrecht erworben. Die Judophobie ist eine Abart der Daemonopathie, nur mit dem besonderen Unterschiede, dass das Judengespenst dem ganzen Menschengeschlechte und nicht bloss einzelnen Völkerschaften zueigen geworden ist, und dass es nicht wie andere Gespenster wesenlos ist, sondern aus Fleisch und Blut besteht und selber von den Wunden, welche ihm von der scheuen, sich bedroht wähnenden Menge beigebracht werden, die qualvollsten Schmerzen erduldet.
Die Judophobie ist eine Psychose. Als Psychose‘ ist sie hereditär und als eine seit zweitausend Jahren vererbte Krankheit ist sie unheilbar.
Die Gespensterfurcht ist es, welche als Mutter der Judophobie jenen abstrakten, ich möchte sagen platonischen Hass hervorgerufen hat, dank welchem die ganze jüdische Nation für die wirklichen oder angeblichen Vergehen ihrer einzelnen Mitglieder verantwortlich gemacht und so vielfältig verleumdet, so schmählich ins Gesicht geschlagen zu werden pflegt.
Freund und Feind haben von jeher jenen Judenhass zu erklären oder zu rechtfertigen gesucht, indem sie gegen die Juden allerlei. Beschuldigungen erhoben. Sie hätten Jesum gekreuzigt, Christenblut getrunken, Brunnen vergiftet, Wucher getrieben, den Bauer exploitirt u. s. w. Diese und tausend andere Beschuldigungen gegen ein ganzes Volk erwiesen sich als grundlos und erscheinen schon deshalb als hinfällig, weil sie massenhaft herbeigezogen werden mussten, um das böse Gewissen der Judenverfolger zu beschwichtigen, um das Verdammungsurteil über die ganze Nation zu rechtfertigen, um die Notwendigkeit zu beweisen, dass der Jude(richtiger das Judengespenst) verbrannt werden müsse. Wer zuviel beweisen will, beweist eben nichts Und wenn den Juden auch mancherlei mit gutem Rechte vorgeworfen wird, so sind es jedenfalls keine grossen Laster, keine todeswürdigem Verbrechen, um derentwillen der Stab über die ganze Nation gebrochen werden müsste. In konkreten Fällen sehen wir vielmehr die widersprechende Erscheinung, dass Juden im unmittellbaren Verkehre mit Nichtjuden sich leidlich gut vertragen, dass sie häufig in durchaus freundschaftlichem Verhältnis zu ihren nichtjüdischen Nachbarn stehen. Daher kommt es auch, dass die vorgebrachten Beschuldigungen gewöhlich ganz allgemeiner Natur, meist aus der Luft gegriffen sind, gewissermassen
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