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Autoemanzipation : Mahnruf an seine Stammesgenossen von einem russischen Juden / Leo Pinsker. Mit einem Vorw. v. M. T. Schnirer
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führte zu einer Voreingenommenheit, welche ihrerseits in.Ver­bindung mit noch andern Umständen der Judophobie Platz gemacht hat.

Im Verein mit allen anderen unbewussten und abergläubischen Vorstellungen, Instinkten und Idiosynkrasien hat auch die Judo­phobie bei allen Völkern der Erde, mit denen die Juden ver­kehrten, das volle Bürgerrecht erworben. Die Judophobie ist eine Abart der Daemonopathie, nur mit dem besonderen Unterschiede, dass das Judengespenst dem ganzen Menschengeschlechte und nicht bloss einzelnen Völkerschaften zueigen geworden ist, und dass es nicht wie andere Gespenster wesenlos ist, sondern aus Fleisch und Blut besteht und selber von den Wunden, welche ihm von der scheuen, sich bedroht wähnenden Menge beige­bracht werden, die qualvollsten Schmerzen erduldet.

Die Judophobie ist eine Psychose. Als Psychose ist sie hereditär und als eine seit zweitausend Jahren vererbte Krank­heit ist sie unheilbar.

Die Gespensterfurcht ist es, welche als Mutter der Judo­phobie jenen abstrakten, ich möchte sagen platonischen Hass hervorgerufen hat, dank welchem die ganze jüdische Nation für die wirklichen oder angeblichen Vergehen ihrer einzelnen Mit­glieder verantwortlich gemacht und so vielfältig verleumdet, so schmählich ins Gesicht geschlagen zu werden pflegt.

Freund und Feind haben von jeher jenen Judenhass zu er­klären oder zu rechtfertigen gesucht, indem sie gegen die Juden allerlei. Beschuldigungen erhoben. Sie hätten Jesum gekreuzigt, Christenblut getrunken, Brunnen vergiftet, Wucher getrieben, den Bauer exploitirt u. s. w. Diese und tausend andere Beschul­digungen gegen ein ganzes Volk erwiesen sich als grundlos und erscheinen schon deshalb als hinfällig, weil sie massenhaft herbeigezogen werden mussten, um das böse Gewissen der Juden­verfolger zu beschwichtigen, um das Verdammungsurteil über die ganze Nation zu rechtfertigen, um die Notwendigkeit zu be­weisen, dass der Jude(richtiger das Judengespenst) verbrannt werden müsse. Wer zuviel beweisen will, beweist eben nichts Und wenn den Juden auch mancherlei mit gutem Rechte vorge­worfen wird, so sind es jedenfalls keine grossen Laster, keine todeswürdigem Verbrechen, um derentwillen der Stab über die ganze Nation gebrochen werden müsste. In konkreten Fällen sehen wir vielmehr die widersprechende Erscheinung, dass Juden im unmittellbaren Verkehre mit Nichtjuden sich leidlich gut ver­tragen, dass sie häufig in durchaus freundschaftlichem Verhältnis zu ihren nichtjüdischen Nachbarn stehen. Daher kommt es auch, dass die vorgebrachten Beschuldigungen gewöhlich ganz allge­meiner Natur, meist aus der Luft gegriffen sind, gewissermassen

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