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Autoemanzipation : Mahnruf an seine Stammesgenossen von einem russischen Juden / Leo Pinsker. Mit einem Vorw. v. M. T. Schnirer
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grosse Weltgeschichte mitmachen hilft, ohne mit der eigenen kleinen Volksgeschichte auch nur leidlich fertig zu werden. Wir müssen uns ein für allemal mit der Idee befreunden, dass die andern Nationen vermöge eines ihnen innewohnenden, natur­gemässen Antagonismus uns ewig ausstossen werden. Vor dieser Naturkraft, welche wie jede andere Elementarkraft wirkt, dürfen wir unsere Augen nicht verschliessen; wir müssen von ihr Notiz nehmen. Beklagen dürfen wir uns über dieselbe nicht. Verpflichtet sind wir dagegen, uns selbst zusammen­zunehmen, uns aufzuraffen und darauf zu achten, dass wir nicht in Ewigkeit das Aschenbrödel, der Amboss der Völker verbleiben.

So wenig wir das Recht haben, alle andern Völker für unser nationales Unglück verantwortlich zu machen, eben­sowenig sind wir berechtigt, unser nationales Glück einzig und allein in ihre Hände zu legen. Auf dem unabsehbar langen Wege zum vollkommenen praktischen Humanismus, wenn es überhaupt je zu einem solchen kommen soll, befindet sich das Menschen­geschlecht und wir mit ihm, kaum auf der ersten Etappe. Darum müssen wir von der Wahnvorstellung ablassen, dass wir. mit unserer Zerstreuung eine providenzielle Mission erfüllen eine Mission, an welche keiner glaubt, ein Ehrenamt, das wir, aufrichtig gesprochen, gern aufgeben möchten, wenn nur damit zugleich auch der SchimpfnameJude aus der Welt geschafft werden könnte.

Nicht in illusorischen Selbsttäuschungen, sondern nur in der Wiederherstellung eines eigenen, einheitlichen, nationalen Bandes haben wir unsere Ehre, unser Heil zu suchen. Bisher gelten wir in der Welt nicht:als solide Firma, und wir geniessen daher auch keinen rechten Kredit.

Wenn die nationalen Bestrebungen mancher unter unsern Augen erstandenen Völker eine innere Berechtigung hatten, kann es dann noch fraglich sein, ob auch den Juden diese Berech­tigung zukomme? Mehr-als jene greifen sie in das internationale Kulturleben ein; mehr als jene haben sie sich um die Mensch­heit verdient gemacht, haben sie eine Vergangenheit, eine Ge­schichte, eine gemeinsame, unvermischte Abstammung, eine un­verwüstliche Lebenskraft, einen ‚unerschütterlichen Glauben. und eine beispielslose Leidensgeschichte aufzuweisen; mehr als.an jeder: andern. Nation haben an ihnen. die Völker. sich ver­sündigt. Ist das noch. immer zu wenig, um sie vaterlandsfähig, vaterlandswürdig zu machen?

Das Streben der Juden nach einer national-politischen Einheit und Selbständigkeit hat. nicht. allein eine innere Be­rechtigung wie das jedes andern unterdrücken Volkes, es müsste auch Zustimmung finden bei den Völkern, denen wir, mit Recht