vollen Wege. Überall, wo sie hinkamen, war man bestrebt; sie sich vom Halse zu schaffen. Die Auswanderer sahen sich bald vor der verzweifelten Alternative, entweder ohne Obdach, ohne Hilfe und ohne Rat im fremden Lande umherzugehen,: oder beschämt in die ihnen nicht weniger fremde, lieblose Heimat zurückzuwandern. Diese Auswanderung war für unser Volk nichts als ein neues Datum in seiner Martyrologie. Aber dieses ziellose Umherirren im Labyrinthe des Exils, an das unser Volk von jeher gewöhnt ist, bringt es nicht um einen Schritt vorwärts, es versinkt vielmehr immer tiefer in dem klebrigen Morast seines Wanderweges. In der letzten Emigration ist kein Zeichen des Fortschritts zum bessern zu entdecken. Verfolgung, Flucht, Zerstreuung und neues Exil— ganz wie in der guten alten Zeit. Die Ermüdung des Verfolgers gönnt uns jetzt eine kleine Rast, wollen wir uns damit zufrieden geben? Oder wollen wir vielmehr diese Rast dazu benutzen, um aus den erworbenen Erfahrungen die gehörige Moral zu ziehen, damit wir neuen Schlägen, die nicht ausbleiben können, entgehen?
Hoffentlich sind wir jetzt über jenen Zustand hinaus, in welchem die Juden des Mittelalters kläglich vegetirten. Die Söhne der modernen Kultur in unserem Volke halten. ihre Selbstwürde nicht weniger hoch als unsere Dränger die ihrige. Aber nicht eher werden wir diese Selbstwürde mit, Erfolg wahren können, als bis wir uns gänzlich auf eigene Füsse gestellt. haben. Ist erst ein Asyl für unser armes Volk— für die Flüchtlinge, die unser historisch-prädestinirtes Geschick uns immer schaffen wird — gefunden, dann werden wir gleichzeitig auch in der Achtung der Völker steigen. Es wird gegen den jetzigen Zustand schon ein gewaltiger Fortschritt sein, wenn"wir| wissen, wohin wir unsere Schritte zu richten haben, falls wir zur Auswanderung gezwungen sind. Wir werden alsdann nicht mehr wie in den letzten Jahren von so traurigen Eventualitäten überrascht werden, wie sie leider gewiss noch mehr als einmal in Russland sowohl als auch in andern Ländern sich zu wiederholen versprechen. Rüstig müssen wir an die Arbeit gehen, um das grosse Werk der Selbstbefreiung zu vollenden. Wir müssen Zzu allen Mitteln greifen, welche. der, menschliche Geist und die menschliche Erfahrung geschaffen, damit das heilige Werk ‚einer nationalen Wiedergeburt nicht dem blinden Zufalle überlassen bleibe.
Das Terrain, das wir zu erstehen haben, muss ein-produktives sein und eine gute Lage und genügende Ausdehnung haben, um eine Ansiedlung von einigen Millionen zu gestatten. Dieses Terrain muss als Nationalgut unveräusserlich sein. Seine Auswahl ist natürlich von der ersten und‘ höchsten Wichtigkeit und darf dem zufälligen Gutdünken. oder gewissen