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Autoemanzipation : Mahnruf an seine Stammesgenossen von einem russischen Juden / Leo Pinsker. Mit einem Vorw. v. M. T. Schnirer
Entstehung
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vorgefassten Sympathien einzelner überlassen werden, wie dies leider in der letzten Zeit geschehen. Dieses Terrain muss ein­heitlich und räumlich zusammenhängend sein. Denn es liegt in der Natur unserer Aufgabe, dass wir als Gegengewicht gegen unsere Zerstreuung ein einziges Asyl besitzen, da eine Anzahl von Asylen wiederum unserer alten Zerstreuung gleich­kommen würde. Darum muss die Auswahl eines solchen natio­nalen, allen Anforderungen entsprechenden permanenten Terrains mit aller Vorsicht getroffen und einem einzigen nationalen In­stitute, einer von unserem nationalen Direktorium gebildeten Kommission von Sachverständigen anvertraut werden. Nur eine solche Oberinstanz wird, nach gründlichen und umfassenden Untersuchungen ein kompetentes Urteil abgeben und bestimmen können, auf welchen der beiden Kontinente und auf welche Territorien in denselben unsere endgültige Wahl zu fallen habe.

Dann! erst und nicht früher soll das Direktorium in Ge­meinschaft mit einem Konsortium von Kapitalisten, als Gründern einer später zu bildenden Aktiengesellschaft, einen Strich Landes ankaufen, auf welchem mit der Zeit einige Millionen Juden sich ansiedeln könnten. Dieser Landstrich könnte entweder in Nord­ amerika ein kleines Territorium oder in der asiatischen Türkei ein suzeränes, von der Pforte und den. andern Mächten als neutral anerkanntes Paschalik bilden. Gewiss würde es eine wichtige Aufgabe des Direktoriums sein, die Pforte und wohl auch die andern europäischen Kabinette diesem Plane geneigt zu machen.

Das angekaufte Terrain müsste unter Kontrole des Direk­toriums durch Vermessung in kleine Parzellen geteilt werden, die je nach örtlichen Umständen entweder zu landwirtschaftlichen oder baulichen oder industriellen Zwecken bestimmt werden könnten. Jede entsprechend arrondirte Parzelle(Ackerwirtschaft, Haus mit Garten, Stadthaus, Fabriksanlage etc.) würde einLot bilden, das dem Bewerber je nach seinem Wunsch zu über­geben wäre.

Nach erfolgter Vermessung und Veröffentlichung detaillirter Karten und eingehender Beschreibung der Terrains wäre ein Teil der Lots an Juden gegen angemessene Bezahlung zu einem im Verhältnis des Ankaufspreises genau fixirten, vielleicht um etwas erhöhten Preise zu verkaufen. Der Erlös samt Gewinn würde teilweise der Finanzgesellschaft gehören, zum Teil in eine vom Direktorium zu verwaltende Unterstützungskasse für hilflose Emigranten fliessen. Zur Gründung dieser Kasse könnte das Direktorium auch eine Nationalsubskription eröffnen. Es ist mit Bestimmtheit vorauszusehen, dass unsere Stammesgenossen allerwärts einen derartigen Subskriptionsaufruf mit Freuden be­