genommen: keine Frömmigkeit gibt es als die, welche durch die Lebensführung bewährt wird; keine Lebensführung kann gelten als die, in welcher sich die Religion verwirklicht. — Leo Baeck: Das Wesen des Judentums, 1905, S. 22.
8: Das Judentum ist eine Religion, die ihre Bewährung im Leben sucht und in der sicheren Klarheit des Lebens auch ihre letzte und höchste Vollendung findet. — Leo Baeck: Das Wesen des Judentums, 1905, S. 28.
9: Die Religion ist nicht etwa ein Ideal, das lediglich ersehnt, sondern ein Ideal, das tagtäglich und unmittelbar betätigt werden muß. In dem sogenannten „Mosaismus“ ist das religiös-sittliche System mit dem staatlich-sozialen auf das innigste verwachsen. Die Grunddogmen des Glaubens werden als leitende Prinzipien für das
praktische Leben aufgestellt. Die mosaische Lehre ist
„eine Propaganda der Tat“: sie verlangt überall eine aktive, nicht bloß eine passive Moral. — Simon Dubnow: Jüd. Gesch., 1898, S. 25/26.
10: Die ausübende Religion oder das praktische Judentum soll sich vor allem im Sittlichhandeln betätigen, aber es erstreckt sich auf alle Lebensäußerungen. Nichts ist so geringfügig, daß es nicht durch den Stempel der Religion veredelt, daß daraus nicht eine Beziehung auf Gott gewonnen werden könnte. Das ist die Grundanschauung, welche das praktische Judentum und die demselben gewidmeten Teile des Talmud durchzieht. — M. Güdemann: Das Judentum in s. Grundzügen, 1902, S. 81.
11: Vor allem liegt den Talmudisten das Studium, das Sehnen und Ringen und Streiten um die Feststellung der HalaCha am Herzen und wird aufs höchste gepriesen. Nur daß eine bloße Theorie, eine hohle und leere Theorie, eine, die nicht Theorie für die Praxis sein will, von den Rabbinen ebenfalls verworfen wird. — M. Lazarus: Die Ethik d. Judentums, I. 1899, S. 422.
12: Das bloße Fernbleiben vom Bösen genügt nicht, sondern positive sittliche Tat wird gefordert. Freie Initiative aus sittlichem Grunde und Antrieb. S. Aboda sara 19 b: Sollte vielleicht ein Mensch sagen: Weil ich meine Zunge bewahrt habe und meine Lippen, daß sie nicht Trug reden, so will ich hingehn und mich dem Schlafe hingeben, so heißt es: „Weiche vom Bösen und tu Gutes“ (Ps. 34, 15). Positive Energie und Initiative wird gefordert. Ein-
39