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Die Eiszeit in Norddeutschland / allgemeinverständlich dargestellt: Felix Wahnschaffe
Entstehung
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ZA

eine Verschiebung der Eisteilchen gegeneinander stattfindet,

worauf eine gewisse Plastizität des Eises beruht. Es ist auch nachgewiesen, daß die zur Gletscherbewegung not­wendige Temperatur sogar im Winter im KEise vorhanden ist, da es bei größerer Mächtigkeit beständig die den jeweiligen Druckverhältnissen entsprechende Schmelztempe­ratur besitzt. Daher nimmt auch die Bewegungsfähigkeit des HEises mit seiner Mächtigkeit erheblich zu. Ferner| haben Crammers Untersuchungen gezeigt, daß zwischen den Flächen geringsten Widerstandes, den Schicht- und den aus ihnen hervorgegangenen Blattflächen, Gleiterscheinungen ein­treten. Wegen dieser auf verschiedenen Ursachen beruhenden Bewegungsfähigkeit können sich die Gletscher, den Flüssen vergleichbar, in den Tälern talabwärts fortbewegen, und zwar schneller, wenn die Neigung des Tales zunimmt, langsamer, wenn sie abnimmt. Das Eis verhält sich gegen Druck plastisch, gegen Zug spröde. Daher entstehen auf sehr steil geneigten Talböden Risse und Spalten im HEise, und der Gletscher löst sich oft in ein Chaos einzelner Eisblöcke und -spitzen auf, die jedoch bei Abnahme des Gefälles sich wieder' zu einem einheitlichen Eisstrom vereinigen. In der Schweiz kann man dies beispielsweise am Rhonegletscher , in Tirol am Mittelberg - und Taschachferner vortrefflich beobachten.

Durch die Bewegung des Gletschereises ist seine Trans­portfähigkeit bedingt. Die Massen von Gebirgsschutt, die "die Gletscher teils auf ihrem Rücken, teils an ihrer. Sohle und in ihren untersten Eisschichten fortbewegen, bezeichnet _ man als Moränen. Nach der Lage zum. Gletscher und der Entstehungsart unterscheidet man verschiedene Arten von Moränen, unter denen die Obermoränen besonders den Talgletschern alpiner Hochgebirge eigentümlich sind.