Druckschrift 
Die Eiszeit in Norddeutschland / allgemeinverständlich dargestellt: Felix Wahnschaffe
Entstehung
Seite
45
Einzelbild herunterladen

45

Klima hinweisende Flora und Fauna sich in unserm Ge­biete zeigte, drang auch der Mensch beutesuchend vor. Knochenreste des Menschen aus der paläolithischen Zeit sind in Deutschland bisher nur bei Taubach unweit Weimar , im Neandertal bei Düsseldorf und bei Mauer unweit Heidelberg gefunden. Dagegen kommen Feuersteinwerkzeuge an weit zahlreicheren Fundorten und auch vereinzelt im nord­

deutschen Flachlande vor. Bei den primitivsten Werkzeugen, den sogenannten Eolithen, ist es oft sehr schwer zu ent­scheiden, ob sie wirklich von Menschenhand bearbeitet und benutzt worden sind, oder ob sie Naturprodukte darstellen, die häufig ganz ähnliche Formen zeigen. Die Funde von Taubach, die mit Elephas antiquus zusammen vorkommen, werden meist dem letzten Interglazial zugewiesen; die Sande von Mauer, wo neuerdings der Unterkiefer des Homo heidel­bergensis gefunden wurde, werden vorläufig als altdiluvial bezeichnet.

Nach dem Rückzuge des Inlandeises aus Norddeutsch­land war das Klima anfangs noch kalt, sodaß sich zunächst eine glaziale Flora auf dem Festlande ausbreitete, wie Nat­horst nachgewiesen hat. In dieser Zeit war Skandinavien teilweise bis zu 150 m über dem heutigen Ostseespiegel vom Meere bedeckt, während die in den höheren Gebieten noch vorhandene Eisdecke ihre Gletscher bis in das Meer herab­schickte. Die skandinavischen Ablagerungen dieser Zeit sind feingeschichtete Tone, in denen sich die Schalen der hoch­arktischen Yoldia arctica finden, weshalb dieses Meer als das Yoldiameer bezeichnet wird. Die in den entsprechenden Ab­lagerungen des Festlandes vorkommenden arktischen Pflanzen­reste enthalten Dryas octopetala, Salix polaris, Salix reticu­lata und Betula nana, von denen die letztere noch jetzt lebend