Wahrheit und Dichtung.
Tissot lobt sie sehr, setzt aber hinzu, sie würde des Vaters Lebensglück gewesen sein, hätte nicht einige Zeit nach ihrer Abreise von Lausanne ein heftiger Kummer ihre Gesundheit so zerrüttet, dass die Folgen nicht zu heben waren. Ihre„erste und einzige Liebe“ hatte sich erschossen. In Hannover brachte Zimmermann einige Jahre in der alten Weise zu. Im Jahre 1777 wurde sein Sohn geisteskrank. Dieser hatte als Kind abwechselnd an Ausschlag und„melancholischer Apathie“ gelitten, hatte sich dann anscheinend erholt, war 1776 in Strassburg von neuem erkrankt. Im December 1777 war er„in völligen Wahnsinn verfallen“. Er lebte später blödsinnig in der Schweiz und überlebte den Vater um 20 Jahre. Zimmermann litt unter diesem Unglück sehr,„die tiefste Melancholie zerriss meine Seele und unnennbare Schmerzen wurden mir beynahe jeden Tag dadurch zu Theil“ Am 31. December 1780 wurde die Tochter von einem Blutsturze befallen und am 10. September 1781 starb sie an der Schwindsucht. Ueber Krankheit und Tod der Tochter war Zimmermann ganz verzweifelt, doch rettete er sich durch die Arbeit, indem er die Abhandlung über die Einsamkeit zu einem grossen Werke erweiterte. Im October 1782 heirathete er wieder und lebte dann in recht glücklicher Ehe. In den Jahren 1784—85 erschien sein vierbändiges Hauptwerk, in dem seine Vorzüge wie seine Schwächen deutlich zu Tage treten. Es hatte den verdienten grossen Erfolg. Katharina II. schrieb dem Verfasser, dieses Buch sei das stärkste Gegengift gegen die Hypochondrie. Ihm aber half es