Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1903) Goethe ; Theil 1
Entstehung
Seite
128
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Wahrheit und Dichtung.

Tissot lobt sie sehr, setzt aber hinzu, sie würde des Vaters Lebensglück gewesen sein, hätte nicht einige Zeit nach ihrer Abreise von Lausanne ein heftiger Kummer ihre Gesundheit so zerrüttet, dass die Folgen nicht zu heben waren. Ihreerste und einzige Liebe hatte sich erschossen. In Hannover brachte Zimmer­mann einige Jahre in der alten Weise zu. Im Jahre 1777 wurde sein Sohn geisteskrank. Dieser hatte als Kind abwechselnd an Ausschlag undmelancholischer Apathie gelitten, hatte sich dann anscheinend erholt, war 1776 in Strassburg von neuem erkrankt. Im De­cember 1777 war erin völligen Wahnsinn verfallen. Er lebte später blödsinnig in der Schweiz und über­lebte den Vater um 20 Jahre. Zimmermann litt unter diesem Unglück sehr,die tiefste Melancholie zerriss meine Seele und unnennbare Schmerzen wurden mir beynahe jeden Tag dadurch zu Theil Am 31. De­cember 1780 wurde die Tochter von einem Blutsturze befallen und am 10. September 1781 starb sie an der Schwindsucht. Ueber Krankheit und Tod der Tochter war Zimmermann ganz verzweifelt, doch rettete er sich durch die Arbeit, indem er die Abhandlung über die Einsamkeit zu einem grossen Werke erweiterte. Im October 1782 heirathete er wieder und lebte dann in recht glücklicher Ehe. In den Jahren 178485 er­schien sein vierbändiges Hauptwerk, in dem seine Vorzüge wie seine Schwächen deutlich zu Tage treten. Es hatte den verdienten grossen Erfolg. Katharina II. schrieb dem Verfasser, dieses Buch sei das stärkste Gegengift gegen die Hypochondrie. Ihm aber half es